Analog Computers

Reference / Paper · 1953

Probleme der Entwicklung programmgesteuerter Rechengeräte und Integrieranlagen

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A 51-page German technical report (Aachen, 1953) compiled from seminar lectures given at the Mathematisches Institut Lehrstuhl C during the 1952 summer and 1952/53 winter semesters, edited by Prof. Dr. Hubert Cremer. The three chapters cover: (1) program-controlled computing machines including stored-program concepts, construction problems, and error correction; (2) development of the Integromat analog integration device including the individual electronic integrator, the step-rate generator (Schritttaktgeber), and error analysis; (3) optimal control problems and their mathematical formulation, together with application of the Integromat to solving such problems.

Manufacturer
Mathematisches Institut RWTH Aachen
System
Integromat
Author
Cremer, Hubert (Hrsg.)
Year
1953
Type
Reference / Paper
Language
German
Learning track
specific applications
Pages
51
  • Integromat
  • Mathematisches Institut RWTH Aachen
  • analog computing
  • differential equation solvers
  • program-controlled computing
  • optimal control

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Probleme der Entwicklung programmgesteuerter Rechengeräte und Integrieranlagen

PROBLEME DER ENTWICKLUNG PROGRAMMGESTEUERTER RECHEN- GERATE UND INTEGRIERANLAGEN DER INHALT DER KAPITEL ENTSPRICHT IM WESENTLICHEN VORTRAGEN DES KOLLOQUIUMS UBER PROGRAMM- GESTEUERTE RECHENGERATE UND INTEGRIERANLAGEN IM JULI 1952 AN DER RHEINISCH-WESTFALISCHEN TECHNISCHEN HOCHSCHULE AACHEN \ HERAUSGEBER PROF. DR. HUBERT CREMER RHEIN.-WESTF. TECHNISCHE HOCHSCHULE AACHEN MATHEMATISCHES INSTITUT LEHRSTUHLC Alle Rechte vorbehalten AACHEN 1953 Copyright 1953 by Rhein.- Westf. Technische Hochschule Aachen Mathematisches Institut Lehrstuhl G Vorwor + des Herausgebers ...scceeecoeeeee III Erstes Kapitel: Über die Entwicklung des Integromat (Dr. habil. H. Bückner,Minden(W), Fa. Schoppe & Faaser) ...ceeeesccceccccecvscecce Ll. Zielsetzung ceecceersccscessccrscscccccece 2. Der Kondensator als Integrator cecscesseve 3. Der unstetige Integrand wecccceeccerseecee 4. Der "Stufenintegrator™ „eeeeeeseesoenernene 5. Darstellung von Funktionen mehrer Vari- ablen „ooooooenononenuneen nern nenne 00 “is | 6. Elimination des Mechanischen .escocceccces Poo nPpuv HM » 7. Das Schrittschaltwark .eccecceccesscvecece 8. Darstellung einer Funktion als Lochkombi- nation 2eseeeenenenneee nenne nern nenne 9. Angleichung an passende Bereiche ......... lo. Zusammenfassung von Integratoren auf einen Muttersender wwccceccecccccvscesseveercses & 11. Das Projekt coccssecssseessssesvvvvnsesens HH PU Pre OV Zweites Kapi t e 1: Aufbauprinzip, Ar- beitsweise und Leistungsfähigkeit elektronischer programmgesteuerter Rechenautomaten und ihre Be- deutung für die naturwissenschaftliche Forschung (Dr. F.J. Weyl, Head, Mathematics Branch, Office of Naval Research, Department of the Navy, Wa - shington 25, D.C., USA) occccecccccccescseceeecs 17 g Lie Überblick suunduneneenununnneenennnnnnendis 19 2. Gesichtspunkte der Weiterentwicklung von Rechenmaschinen ceccecccovcccvecvesveseeoe ; 24 8 3. Einsatzmöglichkeiten .....cceececeeecvece ; 29 4. Ausbildung von Fachkräften .....eseeeeeoee 37 Drittes Kapitel: Die Göttinger Ent- wicklungen elektronischer Rechenautomaten (Prof. Dr. L. Biermann, ur für Physik, Göttingen, und Universität Göttingen) .......... 39 1. Beginn der Entwicklungsarbeiten ........ .. 41 Se Die G 2 “unwunnuunenen dee nwa a Wi RN 42 Ze DLO EL wees grcicdiesw ds ds T EEK SSA ® msi 3) 81818) 44 4. Der Befehlsplan .ecceccecevecs ons una 47 II Seite § 5, Problems cecccccccsccccvcccvcccssescsese wees 49 6. Das Programmieren cecscesecccocsscscoccccee 52 Te Beuzeit oeccesccrccccccsocccccesccssesseres 53 Nachtrag (4. 11. 1952) ccccececceees uw.“ 54 Viertes Kapitel x Über programmge - steuerte Rechengeräte für industrielle u (Dipl.-Ing. K. Zuse, Neukirchen, Fa. Zuse K. - 6 55 § 1. Geschichtlicher Überblick über die Entwick- lung programmgesteuerter Rechengsräte inn Deutschland bis 1950 .oseeseeeseccsrscceces 57 § 2. Nechkriegsentwicklung von Geräten für ine dustrielle Verwendung .eesssecsecccecececes 61 : 3. Technische Details ...cccccccesccccvesevere Be 4. Spezialgeräte cesses scsccsecsecceccessces 5. Der Funktionsschrittrechner ceosesscosssvece 71 6. Entwicklungstendenzen wecceccosercccccscces 72 7. Methematische Rückwirkungen cescorecccceces 7& Anhang : Auszug aus der Diskussion beim Kol- loquium über programmgesteuerte Rechengeräte und Integrieranlagen im Juli 1952 an der Rheinisch - Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (1) Das vorliegende Heft enthält den wesentlichen Inhalt von Vorträgen, die auf dem Aachener Kolloquium über programm- gesteuerte Rechengeräte und Integrieranlagen im Juli 1952 gehalten wurden. Zu dieser Tagung hatten die Institute für Mathematik, Mechanik, Physik und Theoretische Physik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule einge- laden. Dieser Einladung lag der Gedanke zu Grunde, die verschiedenen Forscher, Konstrukteure und Interessenten auf diesem Gebiete einmal zu einer gemeinsamen Aussprache zusammenzuführen. Außerdem schien es uns wichtig, den maßgebenden Persönlichkeiten der Industrie und darüber hinaus den berufstätigen Ingenieuren aller Fachrichtungen die neuen Möglichkeiten vor Augen zu stellen. Diese Absicht ist in vollem Umfange erreicht worden. Der über Erwarten große Besuch zeigte, daß ein echtes Bedürf- nis zu einer allgemeinen Aussprache über die gegenwärti- gen Entwicklungsprobleme von Großrechenanlagen bestand. Die Tagung machte deutlich, daß sich auch in Deutschland die Großrechengeräte in einer raschen Entwicklung befin- den, nachdem die Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre über- wunden sind. Obwohl die amerikanischen Maschinen bei den viel größeren zur Verfügung stehenden Mitteln naturgemäß leistungsfähiger sind, insbesondere größere Rechengeschwin- digkeiten haben als die deutschen Geräte, ist auch jetzt schon zu sehen, daß gerade der Zwang, mit wenig Geld aus- zukommen, zur Herstelluig wesentlich billigerer und da- bei doch verhältnismäßig leistungsfähiger Geräte führen wird, die in der größenordnungsmäßigen Preislage von hun- derttausend DM liegen werden. IV Die Umwälzung, die durch die Entwicklung der Großrechen- anlagen in der Mathematik angebahnt ist, kann kaum über- schätzt werden. Sie ist größer als beispielsweise die durch die Erfindung der Eisenbahn oder sogar des Flug- zeugs bewirkte Revolution des Verkehrswesens. Nicht nur sind viele Probleme der Forschung und insbesondere der Technik erst durch die neuen Rechengeräte angreifbar ge- worden, sondern auch die Rechenmethoden der Mathematik wurden und werden durch die Rechengeräte teilweise völ- lig umgestaltet. Während man früher bemüht war, die Zahl der Rechenschritte durch geistreiche Methoden möglichst weit herabzusetzen, erweisen sich heute Rechnungen mit sehr vielen Rechenschritten oft als praktischer, wenn nur das Schema der Durchführung etwas einfacher ist. So hat man früher naturgemäß versucht, die Frage nach den Extrema einer Funktion von n Veränderlichen auf die Auf- lösung eines Systems von n linearen Gleichungen zurück- zuführen. Heute gestatten es die Rechenautomaten, ein System von n Gleichungen (die übrigens keineswegs linear zu sein brauchen) einfach dadurch zu lösen, daß man die linken Seiten quadriert und die Minima der dadurch ent- stehenden quadratischen Form durch Einsetzen aller in Be- tracht kommenden Werte bestimmt. Eine programmgesteuerte Maschine ist in der Lage, selbsttätig alle Werte einzu- setzen und dabei diejenigen aufzuschreiben, bei denen sich zufällig Null ergibt, während die ungeheure Zahl der übrigen unterdrückt wird. Ohne die neuen Hilfsmittel wür- de eine solche Methode absurd erscheinen. Sie wäre nicht nur unvorstellbar langweilig, sondern tatsächlich undurch- führbar. Nunmehr, wo es auf die Zahl der Rechenschritte nicht mehr ankommt, ist sie aber der gegebene, am einfach- sten zum Ziele führende Weg. Vv Wir müssen lernen, mit dem "Auge der Maschine!" zu sehen. Das ist ein ganz neues und anderes Sehen als das Sehen mit dem Auge des normalen Rechners oder des Mathematikers. Es gibt zwei große Gruppen von Großrechenanlagen: die Integrieranlagen und die programmgesteuerten Ziffernma- schinen. Die Integrieranlagen (Differential-Analysers) gestatten die Integration von Systemen von gewöhnlichen Differen- tialgleichungen. Sie arbeiten nach dem Prinzip der "Rück- kopplung", bei dem die durch die Differentialgleichungen gegebenen Beziehungen zwischen den Größen x, y, y', y" usw. durch geeignete mechanische oder elektrische Kopp- lungen wirklich hergestellt werden. Sie zeichnen in we- nigen Minuten mit voller Zeichengenauigkeit jede gewünsch- te Lösung des Systens. Die großen programmgesteuerten Rechenautomaten (Ziffern- maschinen) können grundsätzlich Rechnungen jeder Art und jeder erforderlichen Genauigkeit durchführen. (Praktisch sind natürlich auch hier gewisse, sehr weit gesteckte Grenzen gegeben.) Die Rechenautomaten unterscheiden sich von den gewöhnlichen Rechenmaschinen bereits durch ihre ungeheure Rechengeschwindigkeit. Diese übertrifft die Ge- schwindigkeit eines gewöhnlichen Rechners weit mehr als die Geschwindigkeit eines D-Zuges die des Fußgängers Eine Elementaroperation erfordert meist nur 1/looo Sekunde und noch weniger. Ihre Rechenkraft ist ungeheuer, so daß Rech- nungen mit vielen Milliarden Rechenschritten in verhält- nismäßig kurzer Zeit durchgeführt werden können. Eine große elektronische Rechenmaschine kann 2000 und mehr Rechner mit besten elektrischen Bürorechenmaschinen er- setzen. Die enorme Rechengeschwindigkeit ist natürlich VI besonders für gewisse militärische Probleme von außer- ordentlicher Bedeutung. Grundsätzlich muß es möglich sein, eine feindliche Fernrakete während ihres Fluges durch Radargeräte anzupeilen und dann in wenigen Se- kunden den Ort und Zeitpunkt des Einschlages ausrech- nen zu lassen, so daß die Bevälkerung der bedrohten Stadt noch rechtzeitig gewarnt werden kann. Die Rechenautomaten unterscheiden sich aber von den ge- wöhnlichen Rechenmaschinen nicht nur durch die Rechen- geschwindigkeit, sondern vor allem durch die erstaun- lich klingende Eigenschaft, "bedingte Befehle" ausfüh- ren zu können. Unter einem "bedingten Befehl" wird da- bei ein Befehl verstanden, die Rechnung je nach dem Ausfall der sich bei der Rechnung ergebenden Zwischen- resultate in verschiedener Weise, gegebenenfalls nach ganz anderen Methoden, fortzusetzen. Man glaubte frü- her, daß zu solchen Entscheidungen die menschliche In- telligenz unentbehrlich sei. Von den Rechnern und Rech- nerinnen wird daher gehobene Bildung verlangt, beson- ders dann, wenn sie etwa von Fall zu Fall unter verschie- denen Rechenmethoden die zweckmäßigste auswählen sollen. Es ist eine ganz erstaunliche Erkenntnis, daß das alles auch eine programmgesteuerte Maschine selbsttätig machen kann. Natürlich kann die Maschine den denkenden Menschen nicht ersetzen. Es zeigt sich aber, daß viele "Entschei- dungen", zu deren Durchführung man bisher den menschli- chen Verstand für notwendig hielt, tatsächlich auch me- chanisch ausgelöst werden können. Das liegt einfach da- ran, daß diese "Entscheidungen" auf die Frage zurückge- führt werden können, ob eine während der Rechnung sich ergebende Zahl größer oder kleiner als eine andere aus- VII fällt. Die Maschine kann nun so konstruiert werden, daß sie auf ein solches Ergebnis auf vorgeschriebene, gege- benenfalls ganz verschiedene Weisen reagiert. Die modernen Rechenautomaten werden den Mathematiker nicht entbehrlich machen, ebenso wenig wie die Erfin- dung der Eisenbahn die Söhne der alten Postillione ar- beitslos gemacht hat. Im Gegenteil! Das Bedürfnis zur Durchführung von Großrechnungen wird in Zukunft wachsen, und man wird mehr Mathematiker benötigen als früher. Die Aufgaben, für deren Bewältigung Großrechenanlagen eingesetzt werden können, sind natürlich außerordentlich mannigfaltig. Hier seien kurz einige der Probleme her- ausgegriffen, die in den Instituten der Rheinisch-West- fälischen Technischen Hochschule in Aachen zur Zeit be- arbeitet werden bzw. demnächst bearbeitet werden sollen. Um die Liste nicht zu umfangreich zu machen, beschränke ich mich dabei auf solche Aufgaben, die mit den Inte- grieranlagen durchgeführt werden können. Es handelt sich um Probleme der Forschung und Technik, die auf nicht ge- schlossen lösbare gewöhnliche Differentialgleichungen und Systeme solcher Differentialgleichungen führen, de- ren Integration wegen des ungeheuren Arbeitsaufwandes bisher unerledigt bleiben mußte oder nur teilweise oder unbefriedigend durchgeführt werden konnte. In sämtlichen Disziplinen der Ingeniäurwissenschaften haben solche Dif- ferentialgleichungen größte praktische Bedeutung. Ihre Integration läßt sich mit der Integrieranlage meist be- quemer durchführen als mit den programmgesteuerten Re- chenautomaten, besonders dann, wenn man sich mit Zeichen- genauigkeit begnügen kann, welche für sehr viele Probleme ausreicht. VIII Im Bauingenieurwesen verläßt man den Stahlgerüsthochbau immer mehr und geht zur Schalenbauweise über. Um hier die gewünschte Formgebung mit den Forderungen der Festig- keit in Einklang zu bringen, muß man die Schalen-Diffe- rentialgleichung für viele Entwürfe und Bedingungen in- tegrieren. Weitere Probleme liegen im Behälterbau der chemischen Großindustrie vor. Bei der Dimensionierung von Hochäruckbehältern, die zugleich bei sehr hohen Ten- peraturen arbeiten müssen, ist die Durchrechnung einer großen Zahl von Variationen notwendig. Dabei kann bei- spielsweise beim Problem der zweckmäßigsten Dimensio- nierung von Behälterböden eine einzige Integration ei- nen auf die bisherigen Methoden angewiesenen Mathema- tiker unter Umständen ein Jahr beschäftigen. Die Tech- nik verlangt aber dringend, daß bei der Berechnung sol- cher Behälter durch zahlreiche Vergleichsrechnungen das für den jeweiligen Verwendungszweck erforderliche Optimum gefunden wird. Denn nur dann kann für solche Anlagen eine ausreichende Lebensdauer (wenigstens loo ooo Betriebsstunden) garantiert werden. Auch für die Berechnung der Schwingungen hoher, schlan- ker Bauwerke (Schornsteine, Leuchttürme, Brückentürme, Brückenpfeiler oder ähnliches) unter der Wirkung von Erschütterungen ist eine Integrieranlage von großem Vor- teil. Als weitere Probleme seien genannt: Berechnung der Biegesteifigkeit von kegelförmigen Behälterböden, Dächern und Silotrichtern; Festigkeitsberechnung von Hängebrük- ken und die zahlreichen Platten- und Scheibenprobleme (Fahrbahnplatten von Brücken, elastische Platten unter Einzel- oder Streckenlasten). Im Wasserbau erfordert z.B. die Berechnung der Wasser- schwingungen in einem Wasserschloß die Integration ei- ner nichtlinearen, nicht geschlossen lösbaren Differen- ix tialgleichung. Im Schiffsbau kommt man z.B. bei der Berechnung der Schlingertanks, der Untersuchung der Schlingerbewegungen und der Stabilität auf Simultan- systeme nichtiinearer Differentialgleichungen,. Auch der Maschinenbau bietet zahlreiche Probleme, die auf nichtlineare Differentialgleichungen führen, z»B. die Berechnung der Schwingungen von Dampfturbinenschau- feln und von Hochdruckkesseltrommeln sowie die Festig- keitsberechnung der im Dampfturbinenbau häufig verwen- dsten rotierenden konischen Scheiben. Beim Entwurf sol- cher Anlagen müssen die nichtlinearen Differentialglei- chungen für zahlreiche Vergleichswerte integriert wer- den. Dies kann nur mit einer Integrieranlage oder mit einem Rechsnautomaten befriedigend durchgeführt werden. Im Hüttenwesen treten komplizierte Differentialglei- chungen auf, z.B. bei der Berechnung des Volumens von Walzgut, das an seinem Umfang gedrückt wird, ohne gleichmäßige Abnahmen zu erfahren, z.B. bei zonenweise veränderlichen Volumen, wie dies im Streckkaliber von Pilgerwalzen der Fall ist, wobei die Abnahmen im Kali- bergrund erheblich größer als im Walzensprung sind. An- dere Gleichungen kommen beim Schrägwalzen von Rohren in Betracht, wobei vom Lochungsprozeß ausgegangen wird. Wieder andere Gleichungen beziehen sich auf die Druck- verteilung beim Walzen zylindrischer und irregulärer Profile. Auch zur Lösung von Schwingungsgleichungen, 2.B. beim Auftreten von Schwingungen an schweren Hän- mern, wobei der Schlag im Fundament gedämpfte Schwin- gungen hervorruft, im Material dagegen Schwingungen, die sich als Rückprallenergie in der Reflexion des Han- mers auswirken, ist die Verwendung einer Integrieranla- ge zweckmäßig. In der technischen Physik soll die Integrieranlage die Durchführung der folgenden Aufgaben ermöglichen: Integration der charakteristischen Differentialglei- chungen von Schwingungs- und Regelungssystemen; Te- bulierung von Funktionen, insbesondere von Mathieu- schen Funktionen und Sphäroidfunktionen. Die Theorie dieser Funktionen wurde in den letzten Jahren so weit vorgetrieben, daß die Anwendung auf viele praktisch wichtige Probleme grundsätzlich möglich ist und nur an dem Fehlen numerischen Materials scheitert. Als spezielle Probleme sollen im Institut für Theoretische Physik zunächst behandelt werden: 1.) Die Ausstrahlung elektromagnetischer Wellen von Kreisscheibenantennen, 2.) Die Beugung von elektromagnetischen Wellen an kreisförmigen Blenden. Beide Probleme sind für die Entwicklung der Ultrakurzwellen-Praxis von großer technischer Bedeutung. Von weiteren interessanten Problemen der technischen Physik seien genannt: Berechnung der Festigkeit von Gußeisenrohren, Schleif- scheiben und keramischen Rohren der chemischen Indu- strie nach den hier geltenden nichtlinearen Verformungs- gesetzen; Berechnung der atomaren Bindungsverhältnisse in Molekülen und Metallen zur Klärung der Eigenschaften technisch wichtiger Legierungen, In der Verkehrswissenschaft leisten Rechenautomaten oder Integrieranlagen wertvolle Dienste, um z.B, die Selbstkosten für einen geplanten oder ausgebauten Ver- kehrsbetrieb zu ermitteln. Für alle im vorhergehenden genannten Probleme ist der Einsatz einer Integrieranlage besonders zweckmäßig. Doch können alle diese Aufgaben natürlich auch mit einem Rechenautomaten gelöst werden. XI Darüber hinaus können mit den programmgesteuerten Zif- fernmaschinen alle Arten numerischer Rechnungen pro- grammiert und dann automatisch durchgeführt werden. Das Problem der Programmierung ist allerdings für manche technisch wichtigen Aufgaben noch nicht in befriedigen- der Weise gelöst. Hier öffnet sich dem Mathematiker ein dankbares Betätigungsfeld; die Überwindung der hier noch bestehenden Schwierigkeiten ist jedoch voraussichtlich nur noch eine Frage der nächsten Zeit. In der Zukunft wird es sicher so sein, daß man alle großen Rechnungen mit Großrechenanlagen bewältigen wird. Der Vorteil liegt auf der Hand. Es sei hier nur erinnert, daß es für die Industrie bei Großaufträgen, besonders im Export, sehr oft darauf ankommt, mit dem ersten Angebot zur Stelle zu sein. Der nur scheinbar hohe Preis der Großrechenanlagen sollte daher nicht schrecken. Er kann sich bereits bei einem einzigen Großauftrag bezahlt machen. Gut funktio- nierende Anlagen in Preislagen um hunderttausend DM und ausgesprochene Großanlagen für weniger als eine halbe Million DM können von deutschen Firmen schon heute ge- baut werden. Es ist zu erwarten, daß die Preise in Zu- kunft noch erheblich gesenkt werden können. Die Erstellung von Großrechenanlagen gehört meines Er- achtens ebenso zum Aufbau der deutschen Technik wie der Ausbau von Berg- und Hüttenwerken. Ein Land, das in die- ser Entwicklung zurückbleibt, wird seine Versäumnisse bald am Rückgang seines \Exportes sehr schmerzlich spüren. Da Rechenautomaten grundsätzlich alle Arten von Rechnun- gen durchführen können, während die Integrieranlagen im wesentlichen nur Systeme gewöhnlicher Differentialglei- chungen lösen, ist gelegentlich die Meinung geäußert wor- den, daß die Integrieranlagen nur als eine zeitbedingte Zwischenlösung Berechtigung hätten, die Zukunft aber aus- XII schließlich den Ziffernmaschinen gehöre, Diese Ansicht halts ich, bei aller Anerkennung der großen Leistungs- fähigkeit der Ziffernmaschinen, nicht für zutreffend. Die Überzeugung, daß beide Klassen von Maschinen in Zu- kunft notwendig sein werden, vertrat auch Prof. Dr. A. Walther, Direktor des Institutes für praktische Ma- thematik an der Technischen Hochschule in Darmstadt, in seinem Vortrag über "Rechentechnik in Darmstadt, vor- handene Geräte, Ergebnisse, Pläne" auf dem Aachener Kolloquiun. Ein großes Recheninstitut bzw. ein Unternehmen, das Großrechnungen verschiedener Art durchzuführen hat, soll- te darauf sehen, Anlagen beider Typen, von denen jede ihre unersetzlichen Vorzüge aufweist, zu besitzen. Da dieses Heft für weitere Kreise der Technik und In- dustrie bestimmt ist, insbesondere für die auf anderen Gebieten praktisch arbeitenden Ingenieure, sei es mir erlaubt, die Autoren der hier veröffentlichten vier Vorträge kurz vorzustellen: Prof. Dr. L. Biermann, Max-Planck-Institut für Physik, Göttingen und Universität Göttingen, baute zusammen mit Dr. Billing in Göttingen den ersten deutschen elek- tronischen Rechenautomaten nach dem Kriege. Dr. habil. H. Bückner ist Chefmathematiker der Firma Schoppe u. Faeser in Minden. Die Firma Schoppe u.Faeser lieferte vor kurzem die von Dr. Bückner entwickelte,z.2t. leistungsfähigste Integrieranlage Europas an das Natio- nal Physical Laboratory in Teddington (England). Dr. F. Joachim Weyl ist Direktor der Mathematischen Ab- teilung des Marineforschungsantes der USA in Washington. XIII Dipl. Ing. K. Zuse, Neukirchen, der Konstrukteur des ersten deutschen Rechenautomaten, beschäftigt sich als Leiter der von ihm gegründeten Firma K. Zuse K.-G., Neukirchen, insbesondere mit dem Bau marktfähiger pro- grammgesteuerter Zifferngeräte zur industriellen Ver- wendung» Auf eine allzu wörtliche Wiedergabe der Vorträge wurde bewußt verzichtet, denn gesprochenes Wort ist nicht ohne weiteres geschriebenes Wort und auch umgekehrt. Die Texte für die vorliegende Veröffentlichung wurden an Hand von Bandaufnahmen unter freundlicher Mitwir- kung der Verfasser geschrieben, Jedes Kapitel gibt den wesentlichen Inhalt eines Vortrages in der für Lektüre und Studium geeigneten konzentrierteren Forn wieder, Ich glaube, daß auf diese Weise ein einheitliches Gan- zes entstanden ist, das über die engeren Fachkollegen hinaus auch weitere Kreise interessieren wird. Aachen, im Januar 1953 H. Cremer Erstes Kapitel CBER DIE ENTWICKLUNG DES ENT EGR OMA T Dr. habil. H. Bückner Minden (Westf.) Fa. Schoppe & Faeser \ § 1. Zielsetzung Unsere groBe Integrieranlage, die wir als Integrieranlage "Gottingen" bezeichnet haben und an das National Physical Laboratory in Teddington (England) lieferten, ist auf ein Maximum an erreichberer Genauigkeit gezüchtet. Dieses Maxi- mum erlaubt komplizierte Schaltungen und stellt dann immer noch mit einem verniinftigen Fehler auch bei komplizierten Gleichungen oder Systemen komplizierter Gleichungen die Lö- sung dar. Ich werde über einen kleinen Bruder der Integrier- anlage Göttingen berichten. Wir nennen ihn "Integromat". Er soll nicht die große Integrieranlage ersetzen. Er hat eine andere Aufgabe. | Wir haben uns vor einigen Jahren überlegt, daß nicht jedes | Institut und nicht jeder Betrieb sich eine große Integrier- | anlage, die 1 Million oder mehr kostet, leisten kann. Ande- rerseits gibt es aber viele Probleme, namentlich in der In- genieurforschung, bei denen die Genauigkeitsforderungen be- schränkt sein können. (Es gibt viele Differentialgleichungen _ der Ingenieurforschung, besonders Differentialgleichungen mit | vielen Parametern, bei denen man froh ist, wenn man die 1ö- | sung auf ungefähr 1 Prozent genau darstellen kann.) Unsere | Zielsetzung bei der Entwicklung der kleinen Integrieranlage war daher, daß diese kleine Integrieranlage mit gröberer Ge- nauigkeit rechnen, aber auch entsprechend weniger kosten soll j \ § 2. Der Kondensator als Integrator Man hätte verschiedene Wege einschlagen können, um eine kleine Integrieranlage zu entwickeln. Es war bekannt, daß man beispielsweise elektronisch integrieren kann, indem man als Integratcr einen Kondensator benutzt, dessen Spannung bekanntlich das Zeitintegral seines Ladestromes darstellt. Ich hatte 1947 zunächst daran gedacht, dieser Richtung nachzu gehen. Aber alsmich damals zwei britische Kollegen, Prof. Porter und Dr. Womersley, beide bekannte Fachleute auf die- sem Gebiet in England, beide frühere Mitarbeiter von D. R. Hartree, fragten, was ich später tun wollte, und wir über die. ses Problem diskutierten, da rieten mir beide dringend davon ab, das Prinzip der Kondensator-Integration zu verfolgen. Sie wiesen mich vor allem auf einen Nachteil hin, nämlich, daß die Integrationsvariable zeitproportional sein muß. In der Tat weiß jeder, der mit mechanischen Integrieranlagen zu tun hat, daß man die Integrationsvariable sozusagen fest in der Hand hat und nach Belieben über sie verfügen kann, so daß die Bindung der Integrationsvariablen an die Zeit sehr ein- schränkend ist und die Flexibilität der Integrieranlagen klein hält. Die gröbere Genauigkeit der Kondensatorintegratio! hätte zwar schon unseren Wünschen entsprochen, ebenso der Preis, aber das Moment der gebundenen Integrationsvariablen gefiel uns nicht. § 3. Der unstetige Integrand Zu Weihnachten 1948 überlegte ich mir nach einem Besuch in England, daß es möglich sein müsse, den Integranden auf einzelne diskrete Werte zu beschränken, also mit einem un- stetigen Integranden zu arbeiten. ear’ “enieee wir das an einem elementaren Beispiel: Es soll LI; f(x) dx integriert werden. a) Beim bekannten Reibradintegrator würde man eine solche Integration stetig ausführen, stetig, soweit man bei den ee Reibrad Naturwissenschaften von _ 1 fre z. Stetigkeit reden kann. Man wiirde die Variable i N\.Reibscheibe x als Drehbewegung in die Reibscheibe einlei- ax Abb. 1 ten und den Abstand f des Reibrades proportional dem Integranden f(x) ma- chen. Der Drehwinkel z des Reibrades würde dann bis auf eine Proportionalitätskonstante das Integral zZ = I f(x) dx geben. Dabei muß f(x) stetig sein, so daß der Abstand des Reibrades vom Reibscheibennit- telpunkt stetig geändert werden kann. (Abbe 1). f Le) F(x) Abb. 3 b) Eine Methode des Integrierens ist aber auch die Appro- ximation durch eine Treppenfunktion, Es sei f(x) auf- getragen (Abb. 2). Dann könnte man versuchen, f (x) durch ein Treppenpolygon zu approximieren, Ich unter- teile die Ordinatenachse f mit einer Schrittweite h in gleiche Teile. Die Treppe ist so konstruiert, daß benachbarte Flächen (z. B. Fis Fo), die die Trep- penfunktion mit der Funktionskurve für f(x) bildet, möglichst gleich sind. Wenn wir jetzt statt über £(x) über diese Treppenkurve integ grieren, dann wer- den wir eine Approximation des Integrals über f(x) erhalten. Wenn f(x) linear ist, sieht das besonders einfach aus. Hier hat man auch eine erste Vorstellung über 6 die Größenordnung des Fehlers. Die Treppenkurve zeichne ich so, daß die senkrechten Teile der Treppenkurve immer die Kurve f(x) zwischen zwei Schnitten mit den gestrichel- ten waagerechten Linien halbieren (Abb. 3). Dann erreiche ich, daß die Dreiecke einander gleich sind. Wenn ich bei der Integration mit der Länge des Integrationsintervalls Glück habe, dann heben sich beim Integrieren über die Treppenkurve gerade diese Dreiecke, die in das Integral eingehen, auf, und mein Integral stimmt mit dem Integral über f(x) exakt überein. Habe ich Pech, dann kann höch- stens ein solches Dreieck als Fehler übrig bleiben, und bei der Schrittweite h wird der Fehler von der Größenord- nung 5 n? sein. Man kann also hoffen, auch schon bei einer verhältnismäßig groben Unterteilung der Ordinatenachse gut hinzukommen. Wenn wir nur lo Teile im Intervall von o bis 1 für die Ordinate zulassen und uns bei der Integra- tion auf Werte von f beschränken, die dieses Intervall nicht verlassen, dann können wir also mit einem Integra- tionsfehler von 1/200 rechnen, und das ist nicht unbeacht- lich. 8 4. Der "Stufenintegrator" Der Reibradintegrator ist, mechanisch betrachtet, ein ste- tiges Getriebe. Halte ich den Abstand des Reibrades von dem Mittelpunkt der Reibscheibe fest, so habe ich ein be- stimmtes Übersetzungsverhältnis, das durch diesen Abstand gekennzeichnet ist. Aber wir können diesen Abstand verän- dern und damit dieses Übersetzungsverhältnis stetig vari- ieren. Dieses stetige Variieren wollten wir nun aufgeben. Unser Plan zu Weihnachten 1948 bestand einfach darin, hier ein Stufengetriebe mit einer beschränkten Anzahl von Über- setzungsstufen vorzusehen. In dieses Stufengetriebe lei- te ich die Integrationsvariable x beispielsweise als Drehbewegung ein. Ich bekomme eine Bewegung z heraus, Und dann lasse ich die Stufen springen. Zu diesem Zweck hielten wir es für Stufengetrieve nötig, die einzelnen a Stufen des Stufenge- er ze triebes durch magne- ssasase tische Kupplungen ecco area bat einstellbar zu machen. oooooos Lochdiagramm Diese Kupplungen sel- ber sollten durch einen Lochstreifen Abb. 4 gesteuert werden (in Abb. 4 durch Lochdiagramm angedeutet). Wir führten eine Variable y zum Lochstreifentransport in den Inte- grator sin, genau wie man beim Reibradintegrator eine Variable einführt, nach der sich der Abstand des Reib- rades vom Reibscheibenmittelpunkt richtet. Diese Variable y, die beispielsweise als Drehbewegung anfließt, sollte bei lo Umdrehungen den Lochstreifen z. B. um lo mm ver- schieben, Auf diese Weise hätten wir jetzt ein Integral 2 = JI y dx, worin y den Eingang zum Lochstreifen dar- Stellt. Nachdem das einmal überlegt war, sagten wir uns daß auf dem Lochstreifen irgend etwas stehen kann, Manni wir also hier eine Variable y einführen, so hindert uns nichts, die Löcher auf dem Lochstreifen so anzuordnen daß sie in Wahrheit nicht eine Stufenfunktion sina teilten die bis auf Unstetigkeiten der Treppe im wesentlichen eine lineare Funktion von y ist, sondern daß die Stufe Selber, die schließlich die Integration bestimmt, unnit- telbar eine Funktion von y ist. Damit lassen sich nun so- Zusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wir haben y 8 einen Integrator, wir nannten ihn "Stufenintegrator", und in diesem Integrator auch zugleich einen Funktions- trieb. Er ist beides in einem. Und statt wie bisher eine Funktion auf besondere Weise darzustellen, etwa durch Abtastung einer gezeichneten Funktionskurve mit Hilfe einer Photozelle, deponieren wir nunmehr die Funktion auf dem Lochstreifen und integrieren unmittelbar eine Funk- tion f(y). Es ist klar, daß diese simple Maßnahme die Flexibilität einer solchen Integrieranlage wesentlich er- höht, im übrigen auch ihren Preis erniedrigt. 8 5. Darstellung von Funktionen mehrerer Variablen Wenn man der Theorie der Schaltungen von Integrieranla- gen nachgeht, zeigt es sich, daß in der Darstellung der Funktionen mehrerer Variablen alle wesentlichen Schwie- rigkeiten liegen. In bekannter Weise hilft man sich da- mit, daß man kombiniert. Es genügt für praktische Zwecke, Summentriebe zu haben, mit deren Hilfe man zwei Größen x, y oder mehrere Größen summieren kann. Die Kombination solcher Summentriebe mit irgendwelchen Funktionstrieben bei den üblichen Integrieranlagen schafft dann einen so hinreichend großen Bereich von Funktionen mehrerer Verän- derlichen, daß man auf diese Weise praktisch an alle Auf- gaben, die sich bei der Behandlung von Differentialglei- chungen ergeben, herankommt, sofern eben der technische Aufwand an sich erträglich ist. So beschlossen wir, außer dem Stufenintegrator nichts weiter vorzusehen als Summen- triebketten üblicher Bauart, d.h. Kegelraddifferentiale. — § 6. Elimination des Mechanischen wir legten dieses Projekt zunächst wieder eine Weile zu den Akten, denn wir hatten damals noch nicht die Zeit und vor allem auch nicht das Geld, um auf eigene Faust diese Entwicklung in die Hand zu nehmen. Vor 1 1/2 Jahren veränderte sich die Situation, und wir beschlossen, un- serem Integromat noch einmal auf den Weg zu helfen. Wichtig dabei war, nun möglichst billig zu werden. Wir hatten an sich schon für dieses rein mechanische Projekt mit den lochstreifengesteuerten Integratoren einen Preis von etwa 60 000,-- DM für 20 solcher Integratoren gerech- net. Aber inzwischen traten Preiserhöhungen auf ver- schiedenen Gebieten ein. Wir waren gezwungen, erneut zu kalkulieren. Und so unterzogen wir noch einmal das gan- ze Projekt einer eingehenden Prüfung. Bei dieser Prüfung hatte mein Mitarbeiter Langhans bei der Firma Schoppe & Faeser den glücklichen Gedanken, das Mechanische soweit wie irgend möglich zu eliminieren und auch die Integrationsvariable x nach Möglichkeit elektrisch darzustellen, und zwar zu quantisieren. Bei dem alten Projekt hätte man einen solchen Integrator bei- spielsweise durch einen kleinen Motor antreiben können; alles Weitere hätte sich mechanisch vollzogen. Man hätte zwischen den einzelnen Integratoren dieser Bauart elek- trische Fernübertragungssysteme vorgesehen, und die Sache wäre ihren Weg gegangen. Bisher hielten wir daran fest, X über der Zeit als Gerade aufzutragen. Jetzt aber woll- ten wir die Variable x als Summe einer Folge von Rechteckimpulsen darstellen (Abb. 5.).Eine solche Folge von Rechteckimpulsen läßt sich auf sehr einfache Weise erzeugen. Es genügt, daß man einen rotierenden Schalter lo nimmt, der von einem Motor angetrieben wird. Der Schalter hat die Form einer Scheibe, an der eine Biirste schleift, über die eine Folge von Rechteckimpulsen herausgelangt. Dieser Gedanke, einmal gefaBt, legte es nahe, den Mechanis- mus der verschiedenen Stufen eines Integrators entspre- chend auszubilden. Nach zahlreichen Versuchen, die der Betriebssicherheit des Integromat galten, landeten wir schließlich bei folgendem System: Wir setzten ein ganzes x —> { System rotierender Schalter auf eine Welle und sorgten da- für, daß durch passende Dimensionierung von Segmenten bei- spielsweise der erste Schalter einen Rechteckimpuls pro Schalterumdrehung aussendet, der zweite Schalter deren zwei, der dritte Schalter drei, usw. Nan hat soviel Schalt- scheiben auf der Welle, wie man Stufen bei einem Integra- tor vorzusehen wünscht. Abb.5 1 t Die ganze Integration besteht jetzt nur noch darin, je nach der Größe des Integranden den richtigen Kanal, d.h. die richtige Schleifbiirste an einer der Schaltscheiben auf der Welle anzuzapfen. Bei einem Integranden also, der N Ay die in Abb. 6 angedeutete Form hat, würden wir, so- lange die erste Stufe gilt, den ersten Kanal einschalten, dann, sobald der Integrand -y zur zweiten übergeht, den Abb. 6 Einschalten geschieht mit Hilfe eines Wahlschalters: Man führt einen Schaltarm an den Schleifbürsten der einzelnen zweiten Kanal, usw. Dieses il Schaltscheiben vorbei und hält ihn solange auf der Schleifbürste der betreffenden Schaltscheibe, bis der Integrand sich ändert. Dabei ist dieses Element und die entsprechende Schaltung der Integrieranlage so dimensio- niert, daß wir im allgemeinen mindestens zehnmal die Impulsfolge einer Schaltscheibe herausnehmen, ehe sich der Integrand ändert. Das ist eine Dimensionierungsfrage und eine Frage, wie man die Schaltung für die Differen- tialgleichung auslegt. So bekommt man eine unregelmäßige Impulsfolge heraus, deren Dichte, auf die Drehbewegung des Motors bezogen, den Integranden darstellt. Wenn wir jetzt diese Impulsfolge zusammenzählen, haben wir das Integral. Das ist eine außerordentlich einfache Methode der Integration. § 7. Das Schrittschaltwerk Wie kann man die Impulse zählen? Man könnte elektronisch zählen. Aber weil unsere Maschine eine Vereinigung elek- trischer und mechanischer Bauteile darstellt, zählen wir mechano-elektrisch durch ein Schrittschaltwerk, Wir sehen einen Elektromagneten vor, der immer, wenn ein solcher Impuls aus der Integralimpulsfolge ankommt, einen Anker anzieht; dieser Anker selbst greift in die Zähne eines Schaltrades ein. Das Schaltrad wird über eine Rutschkupplung durch einen Gleichstrommotor angetrieben. Ist der Anker nicht angezogen, so ist das Schaltrad blok- kiert; der Motor läuft mit der Rutschkupplung an dem Rad vorbei. Ist aber der Anker angezogen, so transportiert der Motor über die Rutschkupplung das Rad mit jedem In- Puls um einen Zahn. Der Weg des Rades stellt daher das Integral dar. 12 Auf diese Weise kénnen wir das Integral mechanisch darstel- len. Das ist wichtig, um Integrale zu registrieren. Zum Re- gistrieren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir haben be- schlossen, ohne uns darauf festzulegen, die bekannteste zu wählen, nämlich die Lösungskurven aufzuzeichnen. Der Funkti- onstrieb ist ein handelsübliches Registrierwerk, wie es heu- te in der deutschen Industrie herausgebracht wird. Unser Re- gistriertisch wird mit Hilfe der Schrittschaltwerke angetrie. ben. Mit Hilfe der Impulsfolgen und der Schrittschaltwerke, die die Impulsfolgen in Wege zurückübertragen, lösen wir zugleict eine andere wichtige Aufgabe, die bei allen Integrieranlagen eine Rolle spielt, nämlich die Fernübertragung von Resulta- ten von einem Element der Integrieranlage zu einem anderen. Zur Fernübertragung benutzen wir grundsätzlich Impulsfolgen, wie wir sie ja in unserer Anlage haben, und wo wir mechaniscl etwas anfangen miissen, transformieren wir eine solche Impuls- folge in einen Weg. Diese Transformation in einen Weg ist auch sonst notwendig, denn der Integrand y kommt von außen in den Integrator und transportiert einen Lochstreifen. Das machen wir so: Der In- tegrand y kommt als Impulsfolge an, wird durch ein Schritt- schaltwerk mechanisch verwandelt, transportiert dann eine Trommel, über die ein Lochstreifen läuft, und dieser Loch- streifen selber steuert jetzt ein Schrittschaltwerk, das die Wahlschalter betätigt, denn hier erst kommt zum Ausdruck, wie groß der Integrand sein soll: Während y den Lochstrei- fenweg darstellt, stellt die Stellung des Wahlschalters eine Funktion f(y) dar, eine Funktion, wie sie auf dem Lochstrei- fen deponiert ist. Wenn wir addieren wollen, gehen wir in ähnlicher Weise vor: Über Schrittschaltwerke werden die zu addierenden Größen 13 (d.h. Impulsfolgen) in mechanische Drehbewegungen verwan- delt. Diese werden in einem Kegelraddifferential addiert, und dessen Ausgang betreibt einen Impulssender, der die Summe der eingegebenen Impulse erzeugt. Diese gehen dann in weitere Elemente der Integrieranlage. §- 8. Darstellung einer Funktion als Lochkombination wir haben zur Darstellung einer Funktion als Lochkombina- tion verschiedene Wege eingeschlagen. Der einfachste, zu dem wir inzwischen gelangt sind, besteht darin, nicht den jeweiligen Funktionswert von f in Form einer Lochkombina- tion zu deponieren, sondern nur die Änderungen von f. Wir benötigen dazu nicht mehr als ganze zwei Lochspalten! Wenn in der ersten Lochspalte irgendein Loch kommt, so be- deutet das: f soll um die Schrittweite h springen, weiter nichts. Kommt in der zweiten Spalte ein Loch, so bedeutet das: Die Sprungrichtung soll der letzten Sprungrichtung entgegengesetzt sein. Es werden also nur die Änderungen im Betrag des Integranden und die Richtung angezeigt. jeder Änderung Da wir bei unseren Entwicklungsarbeiten eine komplette lochstreifenabtastung schon so entwickelt hatten, daß wir 6 Lochspalten abtasten konnten, haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und beschlossen, auf einem Lochstreifen gleich zwei Funktionen abzutasten, da wir beide unabhängig voneinander benutzen können. Der Nachteil ist nur, daß Sich beide Funktionen auf die gleiche Variable y beziehen. Aber es ist jedenfalls kein Nachteil, wenn man soviel Platz auf dem Streifen hat. Wir können jetzt auf einem Streifen eine Funktion f(y) und eine Funktion g(y) gleichzeitig dar- Stellen. pl | : 15 | § 9. Angleichung an passende Bereiche liefert. Das ist einer der bekanntesten Teste für Inte- | grieranlagen. Die Schaltung selber würde mar unter Be- ||! Jeder, der mit großen Integrieranlagen zu tun hat, weiß, nutzung der bekannten Symbole von Bush und de - | | & J r engli | (|| daß ein großer Teil des Aufwandes solcher Anlagen in den schen Schule für konservative Integrieranlagen etwa so | | || zahllosen Stufengetrieben steckt, um die Maschine auf pas- auslegen, wie Abb. 7 zeigt. Beide Reibscheiben werden | IN sende Bereiche angleichen zu können. Wir können unseren ” I Integrator als Stufengetriebe ohne weiteres benutzen. Das ' % | 0 | Ww ; I | IL 11 tun wir, indem wir außer den Wahlschaltern noch feste a = + + Y E | | Anzapfungen vorsehen, z.B. an dem Muttersender (so nennen f : Hi) 7 | | NII wir das geschilderte System rotierender Schalter) soviel x fy x ” ' | |||) 4 Er || || || feste Anzapfungen wie er Kanäle hat, so daß wir, wenn wir ° * | | z.B. ein Resultat y über x registrieren wollen, in Wahr- iy lntegrator I integrator I Imp A Ww, ; | ||| Abb. 7 Abb. 8 % a | || heit über const» x registrieren, indem wir an eine passen- |!) | de Anzapfung des Muttersenders herangehen. als unabhängige Variable von einem Motor M aus angetrie- | | | Mik unserem Irrkegranäen Alıfan 12 einen gewissen Bereich, ben, Die u dieser Schaltung soll nicht im ein