Analog Computers

Reference / Paper · 1966

Der Transistorschalter im analogen Rechenkreis

Read the PDF (6 pp) ↗ Read the English translation →

A 6-page German-language technical article (Elektronische Rechenanlagen, 1966) by E.V. Gilles and H. Schuchmann of the Rechenmaschinen-Laboratorium at Technische Hochschule Stuttgart. The paper analyzes transistor switches (Transistorschalter) used in analog computing networks for solving partial differential equations iteratively, covering switching requirements, transistor parameters (saturation voltage, leakage current, transition frequency fT), and a practical complementary emitter-follower circuit design. Measured results and a comparison table of key switch parameters are provided.

Manufacturer
Technische Hochschule Stuttgart
Author
E.V. Gilles; H. Schuchmann
Year
1966
Type
Reference / Paper
Language
German
Learning track
specific applications
Pages
6
  • Technische Hochschule Stuttgart
  • transistor switches
  • analog computing circuits
  • switching circuits
  • iterative analog computation

← Back to the Reference Library

Der Transistorschalter im analogen Rechenkreis

Der Transistorschalter im analogen Rechenkreis Transistor switches in analog computing circuits Elektron. Rechenanl. 8 (1966), H. 4, S. 186—191 Manuskripteingang: 17. 5. 1966. Zur Berechnung partieller Differentialgleichungen auf dem Analogrechner werden elektronische Schalter benötigt, um den Aufwand an analogen Rechenkomponenten hevabzusetzen. Die hohen Anforderungen an diese Elemente werden am besien durch Transistorschalter erfüllt. Zur Realisierung kommen ausgesuchte Tvansistorpaare, integrierte Tyansistorchopper und Feldeffektiransistoren in Frage. In dieser Arbeit wird ein Transistorschalter beschrieben, der aus einem ausgesuchten Transistorpaar besteht. To calculate partial differential equations by the analog computer electronic switches are needed in order to veduce the expense of analog components. Transistor switches satisfy the high demands on these elements in the best way. For vealization matched transistorpairs, integrated transistor- choppers and freld-effect-tvansistors come into question. In this paper a transistor switch is described, which consists of a matched transistorpair. - Die Verwendung von Transistorschaltern als Zerhacker in analogen Rechenverstärkern und Time-Division-Multipli- katoren, als Modulatoren und Demodulatoren, als Phasen- gleichrichter usw. ist bekannt und bereits mehrmals be- schrieben [2, 3, 4, 5]. Etwas ungewöhnlicher ist der Ge- 186 von E.D. GILLES und H.SCHUCHMANN Institut für Chemische Technologie der T. H. Darmstadt brauch von Transistorschaltern in analogen Rechenkreisen als genaue elektronische Schaltglieder. Besonders bei der Simulation von Systemen mit örtlich verteilten Parametern auf dem Analogrechner stellt der Transistorschalter ein geeignetes Bindeglied zwischen digitaler Steuerlogik und analogem Rechenkreis dar. Systeme mit örtlich verteilten Parametern werden durch partielle Differentialgleichungen beschrieben. Zerlegt man die örtlichen Differentialquotienten in Differenzen, so ent- spricht dies physikalisch einer Unterteilung des Systems in einzelne Abschnitte, von denen jeder gewöhnlichen Dif- ferentialgleichuugen genügt. Die zur Berechnung der ein- zelnen Abschnitte notwendigen analogen Rechenoperatio- nen sind gleichartig und lassen sich daher in einer einzigen zentralen Recheneinheit durchführen. Jeder Abschnitt wird dann nur noch durch Integratoren repräsentiert, die nach geeigneter Zusammenschaltung mit der Recheneinheit so- wohl die zeitliche Integration des betrachteten Abschnitts als auch die anschließende analoge Speicherung der Ergeb- nisse übernehmen. Um die zyklische Verbindung der Ab- schnitte mit der zentralen Recheneinheit schnell und mit hoher Genauigkeit zu gewährleisten, sind elektronische Schalter nötig, die ein Schalten auf Rechenverstärker und Integratoren zulassen. Rr Re Re Un U, V . , Re Uy. U, U Cr © © Bild 1. Anwendung von Diodenschaltern. Cr 4t— Re 1 —U, U, U 2 Rr © a) Umschalter aus zwei Schaltelementen, b) Ein-Aus-Schalter für Rechenverstärker und Integrator (großes Re), c) Zwischenspeicher mit Diodenschalter (geringes Re). Bisher wurde im analogen Rechenkreis in der Hauptsache der Diodenschalter verwendet. Dieser stellt ein fast ideales Schaltglied dar, wenn der Schaltstrom und die durch- zuschaltende Spannung sehr klein sind. Um dies zu er- reichen, legtman den Schalter zwischen V erstärkereingang und Summierpunkt von Eingangs- und Rückkopplungs- zweig. Bei dieser Anordnung läßt sich jedoch allein der Umschaltbetrieb realisieren, da, wie Bild 1a zeigt, stets ein Schalter geschlossen sein muß, um eine dauernde Rück- kopplung des Verstärkers zu gewährleisten. Die selektive Schaltung von n Eingangssignalen auf einen Rechenver- stärker erfordert neben n Diodenschaltern die gleiche Anzahl von Eingangs- und Rückkopplungswiderständen. Dies bedeutet einen erheblichen schaltungstechnischen und finanziellen Aufwand. Will man mit einem Dioden- schalter eine einfache Ein-Aus-Schaltung schaffen, dann ist die Diodenbrücke vor den Summierpunkt zu legen (Bild 1b). Mit einem genügend großen Eingangswiderstand Re läßt sich dann der statische Schaltfehler im Durchlaß- zustand sehr klein halten, ein großes Re hat jedoch für eine vorgegebene Integrationszeit Ty; — Re+ Cyr beim Schalten auf Integratoren eine kleine Rückkopplungskapazität Cr zur Folge. Geringe Sperrströme Is, bewirken daher wegen AU, = Isp[Cr- At bereits bei einer kurzen Sperrperiode At unzulässig große Fehlerspannungen am Ausgang der Integratoren. Somit stellt der Diodenschalter beim Umschalten zweier Signale ein nahezu ideales Schaltelement dar. Zum Aufbau analoger Zwischenspeicher ist er gleichfalls besonders gut geeignet (Bild 1c). Demgegenüber ist dieses Schaltelement für ein zyklisches Umschalten mehrerer Eingangsspan- nungen und zum Ein-Aus-Schalten von Integratoren, wie es speziell bei der Simulation von Systemen mit örtlich verteilten Parametern erforderlich ist, weniger günstig. Diese Schwierigkeiten können sehr gut durch den Transi- storschalter behoben werden. Er erlaubt es, auch größere Spannungen und Ströme zu schalten, ohne daß unzulässige Fehler auftreten. Weiter gestattet er im Gegensatz zu der Diodenbrücke, die nur in Verbindung mit einem Verstärker einen befriedigenden Schaltbetrieb ermöglicht, ein ver- stärkerloses Arbeiten. Dadurch kann der Transistorschalter vielseitiger als der Diodenschalter eingesetzt werden. In Bild 2 ist im Prinzip gezeigt, wie er sich im selektiven Betrieb und als Steuerglied für Integratoren verwenden läßt. Rr Uy Re Un U,U, : ' u i) Mr Cr Re U, © ‘© Bild 2. Einsatz von Transistorschaltern im analogen Rechen- kreis. a) Umschalter fiir » Eingangsspannungen, \ b) Ein-Aus-Schalten von einem Integrator. 2. Anforderungen an den Transistorschalter Der Transistorschalter soll innerhalb der Grenzen — E 1 <U,< + E, jedes beliebige Potential U, schalten, wobei E, durch die Maschineneinheit eines transistorisierten Analogrechners vorgegeben ist (z.B. E, = 10 V). Man muß deshalb fordern, daß er die durch diesen Spannungsbereich gegebenen positiven und negativen Ströme durchläßt und sperrt. Damit im Durchlaßzustand eın nahezu ideales Schalten erreicht wird, soll der Spannungsabfall über dem Durchlaß- widerstand des Schalters gering sein. Die damit erforderliche Begrenzung des durchzuschaltenden Stromes wird bereits durch den üblicherweise hohen Eingangswiderstand der nachgeschalteten analogen Rechenkomponente gewährlei- stet (Re = 100 kQ). Beider Eingangsspannung U, =0Vsoll die Restspannung des Schalters in der Größe von einigen uV liegen, um die Drift eines nachgestalteten Integrators nicht wesentlich zu erhöhen. Im gesperrten Zustand wird der Schalter im ungünstigsten Fall durch eine Potentialdifferenz von 2E, beansprucht. Da im Umschaltbetrieb nie alle Schalter gleichzeitig sperren, sind die weiteren Anforderungen an den Sperr- zustand weniger gering. Die Sperrströme können nämlich immer über den niedrigen Durchlaßwiderstand des gerade durchgeschalteten Transistorschalters abfließen. In dynamischer Hinsicht soll der Schalter sowohl mit schnellen periodischen Pulsen als auch mit nichtperiodi- schen Signalen angesteuert werden können. Aus diesem Grund muß man ein zuverlässiges Arbeiten in einem weiten Frequenzbereich einschließlich f = 0 verlangen. Um außer- dem beim Umschaltbetrieb Überlappungen zwischen dem Sperr- und Durchlaßzustand verschiedener Schalter zu verhindern, müssen steile Umschaltflanken vorliegen, die vor allem beim Übergang in den Sperrzustand keine Ver- zögerung gegenüber dem Ansteuersignal besitzen. 3. Das Verhalten der Schalttransistoren Um einen Tansistorschalter mit den geforderten Eigen- schaften entwickeln zu können, ist es angebracht, sich zunächst mit dem statischen und dynamischen Verhalten des Transistors vertraut zu machen, soweit es dessen Betrieb als Schalter betrifft. Für den stationären Zustand des Schalters ist der Sättigungs- und Sperrbereich des verwendeten Transistors maßgebend. Die Schalterdynamik wird durch die Abhängigkeiten der Transistorschaltzeiten von den Schalt- und Steuersrömen bestimmt. Das Verhalten des Transistors im gesättigten Zustand (Uzs; Ucs > 0) wird durch die in Bild 3 dargestellten Kennlinien vollständig beschrieben. Diese Kennlinien gelten für den inversen Betrieb des Transistors, bei dem die Rollen von Emitter und Kollektor gegenüber dem normalen Betrieb vertauscht sind. Der Basisstrom fließt nicht über den Ermitter, sondern über den Kollekor. Bei diesem Be- trieb ist die über dem durchgeschalteten Transistor ab- fallende Spannung Ucg wesentlich geringer als im Normal- betrieb. Man kann sich diesen Spannungsabfall Ucg = 187 Uce I yyy o* Ina ; ‚Ve B U I I "m Uce (Ie) ” R, I a 151 UcgE —- | N Ip U, —/ Bild 3. Prinzipieller Verlauf der Durchlaßkennlinien eines pnp- Transistors im inversen Betrieb. c Va, E TB Uce Bild 4. Ersatzbild für einen gesättigten —_¢ » “( > _ E pnp-Transistor bei inversem Betrieb. Up Ra Ucz (Iz) längs der Sättigungskennlinie näherungsweise aus einer Restspannung U, = Ucz (0) und einem durch Ir hervorgerufenen Spannungsabfall an dem dynamischen a AUcE Widerstand Ra = tana = | Als | Ip: Ir setzt denken. Mit dieser Vorstellung kommt man leicht zu dem in Bild 4 dargestellten Ersatzbild des Transistors im gesättigten Zustand und bei inversem Betrieb. Die Rest- spannung U, ist nicht konstant, sondern stark von dem Basisstrom abhängig. Aus Bild 5 ersieht man sehr deutlich, daß U, über den Transferwiderstand R, = tan ß = r Uo zusammenge- Alp] Ip mit J, verknüpft ist. Diese Eigenschaft läßt sich nutz- bringend dazu verwenden, die Restspannung über den Basisstrom einzustellen, was für den Aufbau eines möglichst idealen Schalters im Bereich kleiner Eingangsspannungen U, von großem Vorteil ist. Aus den Kennlinien in Bild 3 kann man weiterhin erkennen, daß der Transistor wie ein mechanischer Schalter in beiden Richtungen Strom führen kann, sofern man einen gewissen Arbeitsbereich nicht überschreitet. Die Aussteuerungs- grenzen sind durch die Knickpunkte in den Kennlinien für Ig = konst gegeben. Dort befindet man sich nämlich an der Übersteuerungsgrenze zwischen aktivem und gesättigtem Bereich. Sie ist festgelegt durch die Gleichung | fe [ae Br (In) | I] (1) Hierin ist Br die statische Stromverstärkung in Emitter- schaltung bei inversem Betrieb. Auch die Sperrung des Transistors (Ugg; Ucs < 0) ist für Ströme in beiden Richtungen gewährleistet. Der Schaltung in Bild 3 kann man folgende Beziehung entnehmen: Usp = Uca— Ück. (2) Bei Sperrung gilt für die Steuerspannung Ucg < 0. Der Transistor befindet sich also immer dann im Sperrzustand, wenn — Uck < — Ucr (3) gilt. 188 Für das dynamische Verhalten eines elektronischen Schalters sind die Schaltzeiten des Transistors maßgebend, die in ihrer Abhängigkeit von den Strömen und den Transistoreigenschaften mit grober Näherung durch fol- gende Beziehungen beschrieben werde m t =7,':In Anstiegszeit, (4) m+ k u: . ts = Ts’+ In Ral Speicherzeit, (5) k+1 tp = ty’: In Abfallzeit. (6) Darin bedeuten Ire: I . = Tae: Br\T px) der Ubersteuerungsfaktor (7) lex und Ipy: Bı(I h = fey len der Abschaltfaktor, (8) T wobei der Durchlaßzustand durch den Index x und der Sperrzustand durch den Indexy gekennzeichnet wird. 7, ist die Emitterzeitkonstante und r,’ die Speicherzeit- konstante des Transistors bei inversem Betrieb. Br ist im allgemeinen geringer als die Stromverstarkung By des normalen Betriebs. Damit ergeben sich im inversen Betrieb zwar ungünstigere Schaltzeiten; der Normalbetrieb wird jedoch den hohen Anforderungen an das statische Verhalten nicht gerecht. 4. Transistorpaare Die statische Genauigkeit des geschlossenen Schalters wird bei kleinen Strömen vor allem durch die Restspannung U, sehr nachteilig beeinflußt. Verwendet man jedoch zwei in U, Ip=0 T =konst. Uogh —--\_ — — — —- - —-—-— —— Ugg} ——\—~——~—-—— Unt-— — — | | | | a | | —Ipı —Ip2 —Ips I —- Bild 5. Uy = U, (Iz) beim inversen Transistorbetrieb. 1 Trl 2 Tr2 3 U7 + Ipı Ino =U) oH uh) RN RY?) ue?) _— + 3 AU, Ry AUg=UN) UN) Ry =R") +R) Bild 6. Transistorpaar mit Ersatzbild für den Durchlaß. NA Ou as uy Ip=0 [mV] T =25°C VV 0,9 JA Va 5 0,8 9 om 0,7 N YON TAA MALL Mh, IK Ap AD /A 0,4 LY NO tt 1 0,3 Li 0 1 172) 9 3 —Ip [mA] —~ Bild 7. Kennlinien U,@) = f(Ip) für verschiedene Transistoren ASY 27 im inversen Betrieb. Serie geschaltete Transistoren (Bild 6), so subtrahieren sich deren Restspannungen U, und U,2, so daß lediglich deren Differenz AU, = U,W — U,(® am Schalterausgang wirksam wird. Durch geeignete Einstellung der Basis- ströme eines ausgesuchten Transistorenpaares kann man erreichen, daß sich die beiden Restspannungen für sehr geringe Eingangsspannungen U, vollständig kompensieren. Die Auswahl des Transistorpaares kann mit Hilfe der für mehrere Exemplare gemessenen Beziehung U,W = f (Ig) erfolgen. Diese Kennlinien sind in Bild 7 für die pnp- Legierungstransistoren ASY 27 angegeben. Man sieht, daß die Restspannungen U,® und U,(2 von zwei Exemplaren nur für ein ganz bestimmtes Verhältnis von Ig und /z(2 gleich sind, wenn man sich auf den ansteigenden Teil der Kennlinien beschränkt. Dieses Verhältnis ist bei konstanter Temperatur stark von dem ausgewählten Transistorpaar und dem vorgegebenen Basisstrom/,() abhängig. Im fol- genden Abschnitt wird gezeigt, daß /z® durch die gefor- derten dynamischen Eigenschaften des Schalters festgelegt ist. Die Temperaturabhängigkeit der Restspannung zeigt keine einheitliche Tendenz. Der Temperaturkoeffizient kann sowohl positive als auch negative Werte annehmen. Sein Betrag ist jedoch gering, so daß innerhalb der zu erwarten- den Temperaturschwankungen die Fehlerschranken nicht überschritten werden. Damit ergibt sich also, daß bei dem verwendeten Transistor- paar nur dann eine weitgehende Kompensation der beiden Restspannungen zu erreichen ist, wenn der Basisstrom beider Transistoren unabhängig von der Eingangsspan- nung U, konstant bleibt. Dies läßt sich am besten dadurch erreichen, daß man den Sperr- und Durchlaßzustand des Schalters mit Hilfe einer erdfreien Spannungsquelle ein- stellt. Um inversen Betrieb der Transistoren zu gewähr- leisten, ist das Potential dieser Quelle auf die gemeinsame Kollektorspannung in Punkt 2 bezogen (Bild 8). Die Spannung U,, ist somit stets unabbängig von der durch- zuschaltenden Spannung U,. Verwendet man zur Realisie- rung der steuerbaren erdfreien Spannungsquelle() einen Impulstransformator (Bild 9a), dann kann dieser nur in Verbindung mit einem astabilen Multivibrator eingesetzt werden, um den geforderten Frequenzbereich des Schalters einschließlich f = 0 zu ermöglichen. Der Multivibrator zer- hackt das Steuersignal konstanter Amplitude mit einer 3* hohen Frequenz (f, > 1 MHz). Auf der Sekundärseite des Impulstransformators wird der Steuertakt gleichgerichtet. Die gewünschte erdfreie Spannungsquelle steht damit für die Erzeugung der Basisströme zur Verfügung. Auch mit einem Flipflop (Bild 9b) läßt sich leicht eine steuerbare erdfreie Spannungsquelle aufbauen und damit ein Schalter für den gewünschten Frequenzbereich realisie- ren. Vorteilhaft ist, daß man bei dieser Schaltung sehr konstante Basisströme erhalten kann. Dieses Verfahren erschien daher günstiger für den Aufbau des Schalters. 5. Der Transistorschalter mit Ansteuerflipflop In Bild 10 ist der aus einem ausgesuchten Transistorpaar, einem erdfreien Steuerflipflop und dessen Stromversorgung bestehende elektronische Schalter gezeichnet. Das System besitzt zwei statisch stabile Zustände. Je nach Schaltzu- stand sorgt das Flipflop für eine positive (+ Ap,) oder eine negative (— Ap,) Potentialdifferenz zwischen den Punk- ten 2 und 4. Im durchgeschalteten Zustand haben die Punkte 1, 2 und 3 etwa gleiches Potential, und in Punkt 4 herrscht die Span- nung Uy, = Us — Ap,. Die Potentialdifferenz Ag, be- wirkt, daß über die Zweige mit den Dioden D, und D, die Basisströme Ig, und Ig,(2) fließen. Um möglichst kon- stante Ip, zu erhalten, wird Ay, mit Hilfe einer Zenerdiode stabilisiert. Im Sperrzustand wird das Flipflop, sieht man einmal von dem kurzen Umschaltvorgang ab, nur durch die sehr kleinen Sperrströme belastet. Die Potentiale in den Punkten 4 sowie B, und B, sind dann ungefähr gleich (Ur Upyy = UB;y), und ihre Höhe richtet sich nach den Spannungen U, und U,. Damit nämlich beide Exemplare des Transistor- Paares gesperrt sind, muß U,, größer oder mindestens etwa gleich Max (U,, U,), dem jeweiligen größten Wert von 1 i) | RW 12) RY) 3 Bild 8. Prinzipschaltbild eines Transistorschalters mit erdfreier Ansteuerung. (@) de — vn =n vr Astabiler Multivibrator © o— tof S L Bild 9. Realisierung der steuerbaren erdfreien Spannungsquelle Q, a) mit Impulstransformator, b) mit Flipflop. 189 U, und U,, sein. Kénnen U, und U, alle Werte zwischen — 10V und + 10V annehmen, so werden die beiden Schaltertransistoren maximal mit einer Basis-Emitter- Spannung von 20 V beansprucht. Diese Tatsache erfordert die Verwendung von Ge-Legierungstransistoren, die bei hohen zulässigen Basis-Emitter-Sperrspannungen auch noch eine genügend große Grenzfrequenz besitzen. Da im Sperr- zustand die Beziehung Uyy = Uygy + Ag, gilt, wird sich U,, naherungsweise auf den Wert U,, = Max (U,, U,) — Ag, einstellen. Der Umschaltvorgang zwischen den beiden stabilen Zu- ständen wird durch negative Flanken an den Eingängen S und L ausgelöst. Die Flanken bewirken einen negativen Ladungsstoß. Dieser bringt den gerade angesteuerten Transistor in den Sperrzustand, wenn er vorher durch- geschaltet war. Der Ladungsstoß ist in seiner Größe außer von der Amplitude des Steuersignals auch von der Steilheit seiner Flanke sowie dem Wert der Triggerkondensatoren Cr abhängig. Neben diesen Triggerkondensatoren stellt die Kapazität der Sekundärwicklung des Trafos gegenüber dem geerdeten Schirm eine weitere kapazitive Verbindung des Schalters zur Erde dar. Da während eines Umschalt- vorgangs das Potential des Punktes 2 unter Umständen eine große Spannungsdifferenz AU, = Ugy — Us, (maxi- mal AU, = 20 V — Ag,) in kurzer Zeit durchläuft, haben diese Verbindungen kapazitive Entladeströme zur Folge. Sie belasten die durchzuschaltende Eingangsspannung U, und fließen über den Eingangstransistor Tr 1 in das Schal- tersystem hinein und über die kapazitiven Verbindungen wieder nach außen ab. Für Tr 1 bilden diese Ströme einen zusätzlichen Schaltstrom; der Ausgangstransistor Tr 2 wird dagegen nicht belastet. Setzen wir voraus, daß bei guter Auswahl des Transistorpaares nahezu gleiche Basis- ströme Igz und Igz?) vorliegen, so wird durch diese kapazitiven Entladeströme die Einschaltflanke von Trl gegenüber der von Tr 2 verschlechtert. Die experimentellen Untersuchungen haben bestätigt, daß bei zeitgleicher Ansteuerung der beiden Schaltertransistoren das dyna- mische Verhalten des Schalters im wesentlichen durch den Transistor Tr 1 bestimmt wird (siehe Abschnitt 4). ' ' q) Cr Tr3 Bild 10. Transistorschalter. Um einerseits die Schaltzeiten klein zu halten und zum anderen keine zu strengen Bedingungen an den Innenwider- stand und die Belastbarkeit der durchzuschaltenden Spannungsquellen stellen zu müssen, ist der zusätzliche kapazitive Schaltstrom über den Eingangstransistor Tr 1 soweit wie möglich zu verringern. Das läßt sich durch Ver- kleinerung der störenden Kapazitäten erreichen. In bezug auf die normalerweise recht große Wickelkapazität gewöhn- licher Transformatoren bedeutet dies die Verwendung von Spezialtrafos. Im Hinblick auf geringe Größe der Trigger- kondensatoren muß man fordern, daß’ein kleiner Ladungs- stoß bereits zum Sperren der Transistoren Tr 3 und Tr 4 ausreicht. Man verwendet daher in dem Flipflop zweck- mäßig sehr schnelle Tıansistoren, deren Speicherzeitkon- stante tg klein ist. Weiter ist auf einen niedrigen Über- steuerungsfaktor dieser Transistoren zu achten. Schnelle Transistoren im Flipflop sind aus einem weiteren Grund unbedingt notwendig. Man muß verhindern, daß 190 \ Analoge Rechen- komponente + V, Bild 11. Transistorschalter im selektiven Betrieb. der unerwünschte Entladestrom über die Triggerkonden- satoren den bereits begonnenen Umschaltvorgang wieder rückgängig macht. Das läßt sich nur dann erreichen, wenn der gerade angesteuerte Transistor des Flipflops bereits im Sperrzustand ist, bevor sich die Potentialänderung auf Grund des Umschaltens des Transistorpaares bemerkbar macht. Überlappungen zweier Transistorschalter ‘während des Umschaltaugenblicks (siehe Bild 11) können zu unzulässi- gen Belastungen der Spannungsquellen und der Schalter- transistoren führen. Um diesen ungünstigen Einfluß zu beeitigen, ist die Speicher- und Abfallzeit möglichst klein zu halten. Aus diesem Grund wurden die Dioden D, und D, (Bild 10) eingeführt, über die beim Übergang in den Sperr- zustand ein großer Abschaltbasisstrom Ipy fließt. Er sorgt dafür, daß die Speicherzeit fast verschwindet und die Abfall- zeit die Größe der Anstiegszeit erreicht. Dadurch ist ein einwandfreier Betrieb der Transistorschalter gewährleistet. 6. Zusammenfassung In der vorliegenden Arbeit wird ein zur Verwendung in analogen Rechenkreisen geeigneter Transistorschalter be- schrieben. Er arbeitet verstärkerlos und läßt sich als Schalter auf beliebige analoge Rechenkomponenten einset- zen. Bei der Simulation von Systemen mit örtlich verteilten Parametern ist der Transistorschalter daher besonders vor- teilhaft und dem Diodenschalter überlegen. Die hohen Anforderungen an die Genauigkeit eines solchen Schalters ergeben sich durch dessen Verwendung im ana- logen Rechenkreis. Die Eigenschaften der zur Realisierung des Schalters benötigten Transistoren werden dargelegt. Davon ausgehend zeigt sich die Notwendigkeit, zwei in Serie liegende Transistoren als Schaltelement zu benutzen. Das führt zu dem Transistorschalter aus einem ausgesuch- ten Transistorpaar mit erdfreier Spannungsquelle, die über ein Flipflop zu steuern ist. Die Anforderungen im Sperrzustand sind weniger extrem, da beim stets vorgesehenen Umschaltbetrieb der Sperr- strom immer über ein geschlossenes Schaltelement abge- leitet wird. Man muß jedoch darauf achten, daß die zu- lässigen Sperrspannungen der Schaltertransistoren über den maximal auftretenden Betriebsspannungen liegen. Es wird gezeigt, daß der Schalter im Durchlaßzustand durch die Reihenschaltung einer Spannungsquelle AU, und eines Durchlaßwiderstandes Rg nachgebildet werden kann. Für die hier eingesetzten pnp-Legierungstransistoren ASY 27 ergibt sich eine Restspannung AU, von etwa 10 nV. Der Durchlaßwiderstand Ra beträgt (10...20) Q. Diese Werte verursachen demnach einen auf den jeweiligen Wert der geschalteten Spannung bezogenen relativen Fehler von etwa (1...2) > 10-4. Beim Umschaltvorgang ist die Verzögerungszeit des Schal- ters zu vernachlässigen; seine Flankensteilheit beträgt 1 us. Die charakteristischen Größen des Schalters, wie relativer Fehler, Restspannung, zulässige Sperrspannung, Flanken- steilheit, sind abhängig vom verwendeten Transistortyp. Das Verhalten des Schalters könnte daher grundsätzlich durch Verwendung günstigerer Transistoren verbessert werden. Andere Möglichkeiten zur Realisierung von genauen Tran- sistorschaltern bieten sich durch den Einsatz von zwei in einem einzigen Halbleiterkristall integrierten Transistoren (sog. Transistorchoppern) und von Feldeffekttransistoren an (siehe Tabelle). Transistorschalter Restspannung Durchlaßwiderstand aufgebaut aus U, Ra ausgesuchten 10 uV* 10..... 20 2 Transistorpaaren integrierten 50 pV 10....1002 Choppern Feldeffekttransistoren 10 nV 302 * nach Abgleich des des Transistorpaares. Eine echte Verbesserung verspricht jedoch die Verwendung von Feldeffekttransistoren zu bringen, die im Durchlaß- zustand nur eine sehr geringe Restspannung von U, <10 uv bei vernünftigem DurchlaBwiderstand von Rd -~ 30 N be- sitzen. Mit weiterem Fortschritt in der Technologie von Feldeffekttransistoren werden sich diese Werte bestimmt noch verringern lassen. Transistorschalter aus Feldeffekt- transistoren stellen dann ein nahezu ideales analoges Schaltelement dar. Literatur [1] Ebers, J. J., Moll, J. L., Large-signal behaviour of junction transistors. Proc. IRE 42 (Dez. 1954). [2] Bright, R.L., Junction transistors used as switches. Trans. AIEE 74, Commun. and Electronics (März 1955). [3] Meyer-Brötz, G., Eigenschaften und Anwendungen von Flachentransistoren als Schalter. Telefunkenzeitung 33 (Juni 1960). [4] Schneider, W., Der Transistor als genauer elektronischer Schalter, Nachrichtentech. Fachber. 18 (1960). [5] VALVO, Technische Informationen für die Industrie 21 (Juli 1962). [6] EAI-Report Nr. 003 (Sept./Okt. 1965). [7] Mark Shipley, Analog switsching circuits use fieldeffect devi- ces. Electronics 37 (28. Dez. 1964). 191