Analog Computers

Reference / Paper · 2018

Rechenanlage "Verograph" zur genauen, laufenden Distanzbestimmung — Früher elektrischer Analog-Rechner

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A 28-page technical-historical study (December 2018) by André Masson examining the Contraves AG "Verograph" system, an early electrical analog computer developed from ~1936 for continuous real-time aircraft range determination using two theodolites spaced 1–2 km apart and resistance-network computing elements operating at 75 Hz AC. The article reconstructs the sine-rule geometry, the two-stage coordinate transformation that reduces uniform precision errors across the sky, and the Wheatstone-bridge-based resistance-selector technique used in place of amplifier tubes. The companion "Stereomat" device (same technology, post-hoc 3-D shell-burst error computation) is also introduced, and Fritz Fischer's role as Contraves founder and chief inventor is documented.

Manufacturer
Contraves
System
Verograph (and Stereomat)
Author
André Masson
Year
2018
Type
Reference / Paper
Language
German
Learning track
specific applications
Pages
28
  • Verograph (and Stereomat)
  • Contraves
  • anti-aircraft fire control
  • resistance-network analog computer
  • range determination
  • historical computing

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Rechenanlage "Verograph" zur genauen, laufenden Distanzbestimmung — Früher elektrischer Analog-Rechner

Serie historische Fliegerabwehr-Rechner: Rechenanlage „Verograph“ zur genauen, laufenden Distanzbestimmung Früher elektrischer Analog-Rechner Technische Entwicklung ab ca. 1936 Übersicht: Vor und zu Beginn des zweiten Weltkrieges arbeiteten die Fliegerabwehr-Rechner aller Länder noch mit mechanischen Rechenwerken, um den zukünftigen Treffpunkt zwischen Flugzeug und Bahn der Abwehrgeschosse auszurechnen. Aus dem Treffpunkt wurden die benötigten Winkel (Seite, Höhe) an die Flugabwehrkanonen übermittelt, sowie die einzustellende Zünderlaufzeit. Diese Rechner nannte man damals „Kommandogeräte“ (englisch: „gun director“). Es gibt eine Ausnahme aus dieser Zeit mit ganz anderer Technologie: Die Zürcher Firma CONTRAVES AG entwickelte eigenständig eine interessante Rechenmethode, um mit elektrischen „Widerstandsnetzwerken“ vielfältige Aufgaben mit hoher Präzision auszuführen. Elektronische Verstärkerröhren waren noch nicht geeignet; es wurden zwar einige gebraucht, aber möglichst wenige. Deren Stabilität war zu gering, die Ausfallrate zu hoch. Die hier beschriebene Technik wurde mehrere Jahre vor der Entwicklung des „normalen“ Analogrechners durch Helmut Hölzner (V2-Steuerung) in der Schweizer Armee eingesetzt und über ca. 20 Jahre lang betrieben. Zum Vergleich, Chronologie: Auf p. 25 dieser Arbeit wird ein mechanischer Teil-Rechner aus dem Jahre 1917 gezeigt (Distanzbestimmung). Der erste grosse mechanische Flab-Rechner war der „Vickers Predictor“ aus England; er soll ab 1928 einsatzfähig gewesen sein. Deutschland hat im ersten Weltkrieg gewisse Hilfsgeräte eingesetzt, später zwei grosse mechanische Kommandogeräte 1936 und 1940, mit Tausenden von produzierten Geräten. Die Schweiz hat 1938 das ungarische Gerät Gamma-Juhasz eingeführt und später selber bei Hasler / Bern weiterentwickelt. Erste Impressionen zu den Widerstands-Rechnern: Wie rechnet so etwas – und wo hätte man das in der Ausbildung je gehört ?? 16 Widerstände verknüpfen zwei Eingänge (vorne oben/unten) mit zwei Ausgängen (hinten oben/unten) – und jeder symbolische Widerstand besteht echt aus ca. 100 Widerständen. Aus einem Contraves-Patent, siehe weiter unten. Widerstands-Spülchen noch und noch – in wirklich grossen Zahlen! Unten werden sie mit drehbaren Wählern angezapft. Detailaufnahme aus dem „Stereomat“, im praktischen Betrieb seit 1939 eingesetzt und bewährt. Bild aus dem Bundesarchiv. Im Rechner „Stereomat“ gibt es viele dieser Widerstandswähler: Auf der Oberseite des Gerätes (ca. 1 m lang, Verschalung ist entfernt) gibt es über ein Dutzend. Mechanische Getriebe stellen die Kontakte zu den Einzelwiderständen her. Bild Bundesarchiv. 1 Selbst in den mechanischen Rechnern gab es zahlreiche Elektromotoren, elektrische Schalter, Relais, usw. Oft wurden bereits bekannte mechanische Grössen (z.B. Flughöhe, Kompasskurs, Geschwindigkeit horizontal und vertikal, Flugzeit etc.) elektrisch umkopiert auf neue Drehwellen. Es geht um dieVerteilung der Kraft: Die Bedienungsleute, welche mit dem Fernrohr dem Flugzeug nachfolgen, können nicht am Handrad alle folgenden Getriebe durchdrehen. Alles muss leichtgängig und präzise sein – grosse Kräfte liegen bei empfindlichen Reibradgetrieben (= Integratoren) nicht drin, sonst gibt es Schlupf und Ungenauigkeiten. Die eigentlichen Berechnungen im Kommandogerät finden aber alle rein mechanisch statt. Die Firma Contraves wurde 1936 mit dem Ziel gegründet, die Flugabwehr präziser zu machen. Geplant war eine grosse und komplexe Anlage „Oionoskop“, die nur mit Mühe, unter grossem Zeitaufwand und nur in einem Prototyp fertiggestellt worden ist. Die beiden elektrischen Rechner „Stereomat“ und „Verograph“ waren als Teil der Oionoskop-Anlage vorgesehen, sind aber in der Produktion vorgezogen worden – und bildeten am Schluss die wirklich funktionierenden Produkte, die in kleinen Stückzahlen über längere Zeit verkauft werden konnten. In einer früheren Arbeit desselben Verfassers „Oionoskop mit Stereomat und Verograph“ sind die Grundideen dieser Rechner bereits dargestellt worden. Allerdings erschien dem Autor zu dieser Zeit die Rechentechnik mit Widerstands-Netzwerken noch rätselhaft und unverständlich – es war wie ein Haufen ungeordneter Mosaikteilchen ohne richtigen Zusammenhang. Dank der Hilfe von Walter Vollenweider gelang der Einstieg endlich, jetzt scheinen die Grundzüge einigermassen verständlich. Details fehlen noch, aber man kann sich ein Bild machen über die damalige Leistung der Contraves AG. Ein grosser Dank gilt Walter Vollenweider! Die erwähnte frühere Arbeit kann abgerufen werden unter www.wrd.ch, dort unter Führungssysteme, dort unter Anfänge bis 1964, oder aber unter der Militär-Bibliothek am Guisanplatz, www.big.admin.ch (Suche nach dem Autor). In dieser Arbeit hier wird einerseits der Verograph genauer beschrieben (Aufgabe, Geometrie, Funktions-Schema), andererseits die Rechentechnik mit Widerstandsnetzwerken erklärt. Der Stereomat aus derselben Zeit mit derselben Technik wird gelegentlich erwähnt, sein eindrückliches Rechenschema ist ganz am Schluss dieser Arbeit zu finden (p. 24). Der Stereomat berechnet auf Grund zweier Fotos den echten, dreidimensionalen Abstand zwischen Sprengwolke und Flugzeug. Das Oionoskop wird hier nicht mehr erwähnt, siehe die erwähnte frühere Arbeit (Ref. 6). Eine Verograph-Rechenanlage von Contraves unterwegs. Vorne zwei elektrische Aggregate mit Benzinmotoren, dann zwei schwere Theodoliten mit eingebauten Widerstandsrechnern, sowie das Zentralgerät. Hier nicht dabei sind vier Telemeter, bei denen die Genauigkeit der Messung kontrolliert wird (Ausbildung). Die Theodoliten müssen an genau vermessenen Standplätzen aufgestellt werden (Distanz 1-2 km). Je vier Tragestangen erlauben das Tragen der Geräte und Aufsetzen auf das Stativ durch acht Mann. Bild aus Ref. 1, Januar 1942 oder früher. Verfasser: André Masson Dezember 2018 2 Geometrie-Situation von Stereomat und Verograph im Gelände Stereomat: Ermittelt den Schussfehler im Moment des Aufblitzens der Sprengladung. Die Rechnung erfolgt nachträglich, wenn das Flugzeug längstens vorbei ist. Verograph: Ermittelt laufend die Distanz von der Flabstellung zum Flugzeug. Die verwendeten Theodoliten arbeiten bei den beiden Rechnern je in einem anderen geometrischen System, mit anderen Drehachsen. Die Stereomat-Theodoliten sind gut vermessen, brauchen aber kein langes Kabel. Der Verograph hat ein einziges langes, „pupinisiertes“ Kabel, das ins Rechennetzwerk eingebaut ist, mit Möglichkeiten zum Abgleich am Hauptgerät: beide Aderpaare sollen sich möglichst gleich verhalten. Die Messbasis beträgt 1 bis 2 km. Bilder Bundesarchiv. Links: Die Theodoliten des Stereomaten verstellen ihre beiden Mess-Winkel beim Nachfolgen des Flugzeuges normal und anschaulich: Seite (Azimut) und Höhe (Elevation), Nachführung durch zwei Mann bei jedem Gerät. Jeder Theodolit fotografiert resp. druckt die beiden Winkel im Moment des Aufblitzens der Sprengladung (Foto-Sensor). Die Filmstreifen müssen per Velo zum Stereomaten gebracht werden. Dort musste anfänglich der Film entwickelt werden, später entfällt das dank gedruckten oder gestanzten Streifen. Mehrere gemessene Winkel werden beim Rechner an Handrädern eingedreht, und auf Knopfdruck sind alle trigonometrischen Rechnungen fertiggestellt – aber das Flugzeug ist natürlich schon lange weg. – Es wurde noch ein „Komparateur“ entwickelt (Messlupe mit diversen Strichgittern, Dezember 1945), damit die massgebenden Winkel gleich beim entfernten Theodoliten ermittelt und telephonisch durchgegeben werden können; so entfällt auch noch die Velofahrt, die Auswertung wird noch schneller. Rechts: Die Theodoliten des Verographen haben ganz andere Achsen. Die eine Koordinate verdreht eine Teleskop-Halterung um die Achse der Verbindung zum anderen Theodoliten (Alpha im Bild oben, Winkel gegen die Vertikale, sofern die Theodoliten gleich hoch stehen), die zweite Koordinate verdreht das Teleskop innerhalb der schrägen Halterung um eine Achse, die rechtwinklig zur Drehachse der Halterung verläuft (Gamma im Bild oben). Alpha wird nur zur Nachführung des Flugzeuges verwendet, geht aber nicht in die Rechnung ein. Die Rechnung basiert nur auf den beiden GammaWinkeln. An jedem Theodoliten führen je zwei Mann laufend die beiden Winkel nach, unterstützt durch eine (frühe!) automatische Nachlaufsteuerung. Das Gerät führt die Berechnungen sofort 3 durch. Am Hauptgerät ist die genaue Entfernung zum Flugzeug in „realtime“ ablesbar bzw. steht für die weitere Verwendung im Oionoskop oder in der Telemeter-Ausbildung laufend zur Verfügung. Die weiter unten angegebene Koordinatentransformation in ein gedrehtes Koordinatensystem (siehe Seite 8) findet ihre Anwendung beim Stereomaten: Es kann per Handschalter umgestellt werden, ob der ausgerechnete Schussfehler (Abweichung zwischen Ziel und Sprengpunkt) angegeben wird in einem KS mit horizontalen und vertikalen Achsen in der Schussebene (x, y, z, nicht nach Norden gerichtet, Bild Mitte), oder in einem schräg gedrehten KS relativ zur Kanone (Schuss zu lang, zu hoch im Winkel, Azimut zu gross, Bild rechts): Umschalter am Stereomat (ev. erst in späteren Versionen): Ausgabe wahlweise in (x y z) oder aber in (u v w). Ausgabe des Schussfehlers in (x y z). Links das Flugzeug, dahinter F der Schleppsack als Ziel. x liegt in Schussrichtung (Azimut). Ausgabe der Sprengpunktabweichung in (u v w), entspricht etwa Tempierung, Seite, Höhe im Winkel (ɛ). ___________________________________________________________________________ Distanzbestimmung zum Flugzeug – klassisch Bei der Fliegerabwehr ist die Kenntnis der genauen Distanz zum Flugzeug von erster Wichtigkeit. Die Distanz ergibt die Geschossflugzeit, davon hängt dann auch der Vorhaltepunkt ab (wohin man zielt). Im ersten und im zweiten Weltkrieg (vor den Radar-Messungen) wurde die Distanz mit optischen Geräten bestimmt, die in der Schweiz Telemeter hiessen, in Deutschland Entfernungsmesser. Das sind optische Doppel-Fernrohre mit grosser Messbasis. Gemessen wird der Winkel-Unterschied zwischen der Optik links und rechts, das Flugzeug wird dabei dauernd nachverfolgt. Für Fliegerabwehr lag der typische Wert für die Messbasis bei 3 m (CH) oder 4 m (D), z.T. auch länger, auf den Schiffen bis zu 15 m. Je länger, desto genauer wird die Distanz, aber desto schwerfälliger wird alles bei hohen Winkelgeschwindigkeiten zum Flugzeug, oder beim Stellungswechsel. Der Autor dieser Arbeit hat seine Flab-RS 1965 gemacht, damals waren noch leichte Telemeter mit 1.25 m Messbasis im Einsatz für die 20mm- und für 34mm-Flabkanonen. Es folgen Abbildung der früheren 3m-Telemeter für die 7.5cm-Kanonen: 4 CH-Telemeter auf Baur-Stativ: drei Personen sitzen hinter dem Gerät. Zwei Bediener schauen einäugig durch je ein Objektiv und führen das drehbare Stativ per Handrad dem Flugzeug nach, horizontal wie vertikal. Der dritte Mann schaut mit beiden Augen durch die grosse Basis und bestimmt die Distanz. Zuvor gab es ein einfacheres Dreibein-Stativ, alle Leute stehen. Bd.Archiv. Statt mit 7 cm Augenabstand, blickt der Messmann mit der Basis von 3 m zum Flugzeug. Diverse Sonnenfilter und Kalibriermöglichkeiten. Hinten das angehängte Contraves-Getriebe zur Linearisierung – erst mit diesem Getriebe (1941 oder 1942) können die Distanzwerte direkt ins Kommandogerät eingeführt werden, mit elektrischen Folgezeigern. Bundesarchiv. Noch vor dem Linearisierungsgetriebe: Der Messmann (steht hinter dem Gerät, Stirnpolster) greift mit der rechten Hand über die Röhre zur hellen, dicken Messwalze und stellt die korrekte Distanz ein. Ein weiterer Mann liest an der Skala rechts daneben die Distanz ab und ruft sie zum Kommandogerät hinüber. 3m-Telemeter auf altem Stativ, FFMuseum Dübendorf. Schon bevor die Schweiz das erste grosse Telemeter zu Versuchszwecken erhielt (1937, Born p. 86, zuvor gab es kleinere Inf- oder Art-Tm), hat F. Fischer (ab 1933 ETH-Professor) klar gesehen, dass die Präzision der Distanzbestimmung so nicht ausreichen wird. Er gründete 1936 mit Studienfreunden die Firma Contraves AG und versuchte, präzise Geräte zur Fliegerabwehr zu entwickeln und sie der Armee zu verkaufen. Insbesondere die Distanz zum Flugzeug wollte er viel genauer ermitteln, mit 1 bis 2 km Messbasis – dazu entwickelte er neuartige elektrische Rechengeräte mit WiderstandsNetzwerken, die etwas schwierig zum Verstehen sind. Die Radioröhren waren damals noch nicht stabil genug für die erhoffte Präzision – man suchte sie deshalb möglichst zu vermeiden. – Die vorgängige Beurteilung von F. Fischer deckt sich mit den Erinnerungen letzter Zeitzeugen der schweren 7.5cm-Flab: die Distanzbestimmung sei jeweils der Anlass zu den grössten Fehlern gewesen. _________________________________________________________________________________ Prinzip der Distanzbestimmung mit dem Verographen Im Wesentlichen wird allein der Sinus-Satz verwendet, um die Distanz zum Flugzeug zu ermitteln, dies allerdings auf gepflegte Art und Weise. Ausgemessenes Dreieck: Theodolit 1 – Theodolit 2 – Flugzeug. Die beiden Theodoliten werden dauernd dem Flugzeug nachgeführt mittels zweier Handräder, die selber eine Nachlaufsteuerung haben: Bleibt die Winkelgeschwindigkeit des Flugzeuges konstant, so muss am Handrad nicht mehr nachkorrigiert werden. Die Theodoliten haben spezielle Koordinatensysteme, so dass das nachgeführte Fernrohr direkt den gemessenen Winkel zwischen der Messbasis (Distanz zum anderen Theodoliten) und dem Flugzeug ergibt. Der zweite Winkel (Schiefe des Dreieckes gegenüber der Vertikalen) wird zwar per Handrad laufend nachgeführt, um das Flugzeug zu verfolgen, wird aber in der Rechnung nicht verwendet. Sinus-Satz: Zwei Seitenlängen im Dreieck verhalten sich wie die Sinuswerte der gegenüberliegenden Winkel – das gilt für jedes Dreieck. Die Länge der Messbasis kennt man, ebenfalls zwei gemessene Winkel, aus denen der dritte Winkel (gegenüber der Messbasis) folgt. Das Dreieck ist bestimmt, die gesuchte Distanz zum Flugzeug ist zu errechnen. Allerdings gibt es noch einige Umformungen: Erste Umformung: Durch einige Umformungen und Übertragung auf andere Winkel (z.T. ausserhalb des Dreieckes) ergibt sich eine andere Form des Sinus-Satzes, die hier besser zu verwenden ist. Es ist alles nachgerechnet worden, es gibt kein Geheimnis und kein Problem: 5 Bei P1 und P2 stehen die beiden Theodoliten, bei F befindet sich das Flugzeug. Das Dreieck liegt beliebig schief im Raum. Die beiden Winkel γ1 und γ2 zum Flugzeug werden gemessen ab einer Ebene (gestrichelt) senkrecht zur Verbindungslinie zwischen den beiden Theodoliten. Diese Winkel γ1 und γ2 gehen in die Rechnung ein, der jeweils zweite Winkel, mit dem das Fernrohr dem Flugzeug nachgeführt wird, ist die Schiefe des Dreiecks gegenüber der Vertikalen, sie geht nicht in die Rechnung ein. Die Basis b zwischen den Theodoliten ist genau bekannt (typisch 1 – 2 km). Gesucht ist die Distanz r1. Alle Variablen ändern sich andauernd, wenn das Flugzeug weiterfliegt. Der umgeformte Sinus-Satz mit den oben abgebildeten Winkeln lautet jetzt: r1 gesuchte Distanz 1 1 = ( 1 γ2 − tg γ1) cos γ1 b Messbasis Nach dieser Rechnung wird im Verographen die gesuchte Distanz r1 ermittelt – im Prinzip. Aber nicht so in der Praxis, es wird noch etwas komplizierter. Die Tangens-Funktionen der gemessenen Winkel γ1 und γ2 werden sehr gross, wenn die Winkel gegen 90° gehen, d.h. wenn das Flugzeug in der Nähe der Verbindungslinie zwischen den beiden Theodoliten liegt. Die Fehler bei gegebenen Abstufungen (siehe später, Widerstands-Abstufungen) werden dann sehr gross, d.h. man müsste im ganzen Himmelsraum eine sehr feine Abstufung wählen, die aber nur an wenigen Orten wirklich sinnvoll ist. Um die Fehler überall ähnlich zu halten, egal wo sich das Flugzeug befindet, gibt es eine zweite Koordinaten-Transformation. Gerechnet wird nicht mit den tatsächlichen Winkeln γ1 und γ2, sondern mit umtransformierten, abstrakten Werten, die nicht mehr linear zu den tatsächlichen Winkeln sind. Die eigentliche Formel, nach der sich die Distanz ermitteln lässt, erfolgt dann mit hyperbolischen Funktionen der verzerrten Winkel und wirkt eher unanschaulich. Die Transformation von echten Winkeln zu den abstrakten Rechenwerten erfolgt so, dass die Handräder nicht mehr direkt an das Fernrohr gekoppelt sind, sondern an eine mechanische Hilfskonstruktion, mit einer Abtastung an einer Kurven-Lehre. Dreht man immer gleich viel am Handrad, verstellt sich das Fernrohr nicht in allen Himmelsregionen gleich stark. Nur die Umdrehungen am Handrad gehen in die Rechnung ein. Das Handrad (ganz rechts), mit dem das Flugzeug stets im Fadenkreuz gehalten wird, treibt nicht mehr direkt das Fernrohr an, sondern eine mechanische Hilfskonstruktion. Die Schablone (gekrümmte Kurve unten) gibt den Zusammenhang zwischen echten Winkeln und den abstrakten Rechenwerten. Die Drehungen des Handrades werden ausgewertet, nicht die tatsächlichen Winkel im Dreieck. Das Fernrohr zeigt den tatsächlichen Winkel γ an, d.h. das Handrad wird so lange gedreht, bis das Flugzeug direkt im Fadenkreuz liegt. Die Umdrehungen des Handrades führen mechanisch zur Anwahl der richtigen elektrischen Widerstände bei den nachfolgenden Rechenoperationen. Bild: Ref. 1 6 Da selbst eines der erhaltenen Contraves-Blockdiagramme für die Rechenoperationen im Verographen das Prinzip der leichter vorstellbaren echten Winkel beibehält (siehe p. 13), verzichten wir vorerst auf die abstrakten Variablen und die daraus folgenden hyperbolischen Funktionen, wie sie tatsächlich im Rechner verwendet werden. Das Prinzip der Rechnung kann auch mit den normalen Winkelfunktionen verstanden werden. Mit dieser zweiten Koordinatentransformation soll überall am Himmel mit derselben Genauigkeit gerechnet werden – einzig wenn das Flugzeug in einem Kegel von 15.5° um die Verbindungsachsen zwischen den Theodoliten liegt, sei die Rechnung nicht mehr im verlangten Genauigkeitsbereich. Einige historische Abbildungen zum Verographen und dessen beiden Theodoliten: Die zwei Theodoliten sehen gleich aus, berechnen aber andere Grössen. Handräder zur Verfolgung des Flugzeuges. Drehachse 1: Achse des runden Okulares rechts oben, (die Achse bleibt fest), Drehung kippt das Oberteil. Achse 2 (gegenwärtig vertikal): Dreht dunkles Fernrohr links oben um bis 180°. Handräder / Okulare drehen nicht mit beim Verfolgen des Flugzeuges. Zentrales Registriergerät. Rechts werden die Kabel von vier Telemetern angeschlossen (Ausbildungsbetrieb) sowie die beiden Theodoliten und das elektrische Aggregat. Links Anzeige und Papierstreifen mit vier Distanzfehlern. Unten, hinten Telefonhörer. Alle 3 Bilder: „Gebrauchsanweisung zum Verograph Nr. 202, Typ II CH“, Oktober 1943. Flieger-Flab-Museum Dübendorf. Frühe Form des Registriergerätes: Der Abgleich (zwei Teile der Gleichung, p. 6) erfolgt von Hand. Das Handrad stellt probeweise die gesuchte Distanz ein: wenn die Gleichung erfüllt ist, steht das Anzeigeinstrument oben in der Mitte auf Null. Später ist der Abgleich automatisiert worden (Schema p. 13). Oben rechts sehr klein: genaue Distanz zum Flugzeug, als Zahlwert. Oberhalb des Handrades des Registriergerätes ist ein geschlossener Kasten zum sorgfältigen Abgleich des langen Messkabels. Das Kabel hat alle 150 m ein „Pupinkästchen“, zum Ausgleich der Kabel-Kapazitäten. Vermutung W. Vollenweider: Gibt bei einer einzigen Frequenz keinen rechten Sinn. Das sind eher Spulen mit Störschutz-Funktionen als Pupinspulen (ev. fehlten damals noch die passenden Worte, „Pupin“ war bekannt). Zitat F. Fischer: „Das Kästchen enthält … in jedem Aderpaar einen Querleitwert, der für Verzerrungsfreiheit des Kabels abgestimmt ist“ (Ref. 1, p. 14). Bilder oben des Verographen-Theodoliten und des Registriergerätes: Aus der Gebrauchsanweisung zum Verograph Nr. 202 (Typ II CH), Flieger-Flab-Museum Dübendorf, 20.10.1943. __________________________________________________________________________________ Rechentechnik mit Widerständen: Versuch einer Rekonstruktion Nun wollen wir versuchen, das Prinzip der Widerstandsnetzwerke einigermassen zu verstehen. Nie ist in den Korrespondenzen zwischen Contraves und den militärischen Behörden etwas zum prinzipiellen Ablauf der Rechnungen angesprochen worden, in den Archiven (Bundesarchiv, Flieger-FlabMuseum in Dübendorf) ist gar nichts zur Rechentechnik gefunden worden. Das Bild, das hier vermittelt wird, gründet sich auf zahlreiche Splitter und Teil-Bilder, mehrheitlich aus Ref. 1, Ref. 2, Ref. 4, sowie aus gefundenen Patentschriften von Contraves. Die Patentschriften haben meistens eine sehr eigenwillige Sprache, aber immerhin oft schöne Figuren, aus denen sich etwas herauslesen lässt. Vorerst zum Einstieg, zum Angewöhnen, als Hingucker, wie es so geht (ein gut dokumentiertes, aber wenig wichtiges Beispiel – im Verograph nicht vorhanden, beim Stereomaten zwar eingesetzt, vgl. p. 4, aber im Rechenschema nicht einmal erwähnt, vgl. p. 24. In Ref. 2 wird die Koordinatentransformation auch 3-dimensional gezeigt, mit 3 Winkeln): 7 Beispiel einer Koordinatentransformation mittels Widerstandsnetzwerk Aus Ref. 2, Stereomat Gerechnet wird mit 4-Polen, 6-Polen, 8-Polen etc. – das sind Einheiten, die 4 oder 6 oder 8 Zuführdrähte haben. Jedes (Ein- oder Ausgangs-)Signal besteht aus zwei Drähten mit z.B. +3V resp. -3V, je symmetrisch. Werden zwei Grössen A und B addiert, C = A + B, so braucht es einen „6-Pol“. Das Niveau null, Erde, Masse, kommt nie vor. Gerechnet wird mit Wechselspannung (beim Verographen: 75 Hz). Es folgt das Rechenprinzip für eine Koordinatentransformation: In der Figur unten werden an die Ecken des Widerstands-Quaders die folgenden Spannungen angelegt resp. abgegriffen (die Spannungen entsprechen den Koordinaten in Metern): 1,2 = Eingang x 5,6 = Ausgang x‘ 3,4 = Eingang y 7,8 = Ausgang y‘ Alle Koordinaten sind ev. zeitlich variabel! x, y ursprüngl. Koordinaten, x‘ und y‘ Koordinaten im verdrehten System. Es muss durch die Widerstände die folgende Rechnung gewährleistet sein: x‘ = x cos β – y sin β y’ = x sin β + y cos β β wird in der Regel zeitlich variabel sein. Jeder Widerstand wird mechanisch dem variablen Winkel β nachgeführt, mittels Zahnrädern. Das ist bloss die reine Topologie der Widerstände. An den Ecken sind „Entkoppler“, hier nicht eingezeichnet, zur Summation der Signale, siehe nächste Figur. Jeder einzelne dieser „16“ Widerstände besteht aus einem ganzen Satz (ca. 100) mechanisch anwählbarer Widerstände (bei Grob-/Feinbereich auch viel mehr). Bild aus dem Contraves-Patent 201663 (1937/38), wie auch die folgenden Zeichnungen. Der Entkoppler-Sechspol (unten) kann verzweigen (Signal x auf x1 und x2 kopieren), aber auch addieren, wenn an x1 und x2 zwei unterschiedliche Spannungen anliegen. Die gestrichelt gezeichneten Widerstände stellen die Eingangs- oder Ausgangswiderstände der nachfolgenden Stufen dar. Die Variable x „verzweigt“ sich auf zwei Zweige. Ändert sich x, ergibt das in beiden Zweigen eine Änderung. Ändert sich eine bei x1 angelegte Spannung, so spürt das nur Ausgang x, aber nicht x2 (die Zweige x1 und x2 sind „entkoppelt“, es gibt keine Rückwirkung dazwischen). Alle drei Widerstände zwischen 1 und 2 sind gleich gross (geht aus einer einzigen anderen Contraves-Zeichnung hervor). 8 Jetzt folgt das konkrete Schaltschema des Achtpoles für die oben angegebene Koordinaten-Transformation, mitsamt den vier Entkopplern in den Ecken: Ein Achtpol: Das ist die echte Schaltung der Koordinatentransformation. Die 4 mal 4 Widerstände lassen sich verstellen / anwählen durch die symbolisierten „Handräder“, also rein mechanisch (Zahnräder, Getriebe, es muss nicht von Hand sein). Die mechanischen Getriebe des Stereomaten sind als Photographien im Bundesarchiv erhalten, siehe gleich unten (für Verographen noch nicht gefunden). Womöglich ist diese Schaltung etwas allgemeiner als nur für die oben gezeigte Koordinatentransformation (wo man nur einen einzigen Winkel hat), weil sich hier vier ganz unabhängige Winkel einstellen lassen. Vgl. Ref. 6, Seite 10 Die Transformatoren haben damit zu tun, dass sich scheinbar „unabhängige“ Spannungen addieren lassen (wie bei mehreren einzelnen Batterien). Betrieben wird alles durch Wechselspannung (beim Verographen: 75 Hz). Eingangs- und Ausgangswiderstände müssen gepflegt beachtet werden! Immer wieder legt Prof. Fischer Wert darauf, dass alle Ein- und Ausgangswiderstände in der ganzen Schaltung gleich gross sein müssen. Jeder Einzelwiderstand R1 bis R4 besteht aus einem ganzen Satz von sehr vielen Widerständen, per Drehwähler anzusteuern. Entkoppler bei den Klemmen 1,2 und bei 3,4 (beides Eingänge): Funktion eines Verzweigers Entkoppler bei den Klemmen 5,6 und bei 7,8 (beides Ausgänge): Funktion eines Summierers Unten folgen die Darstellungen von Walter Vollenweider (persönl. Mitteilung, Mail vom 21.5.2018), wie man sich den Verzweiger und den Summierer vorstellen und auch nachrechnen kann. Detailliert lässt sich allein mit dem Ohm’schen Gesetz alles nachvollziehen. Man beachte, dass es keinen gemeinsamen elektrischen „Nullpunkt“ gibt, d.h. die Spannungen liegen asymmetrisch. Worte: Koppler ≡ Entkoppler, meint dasselbe 9 Gezeichnet ist es so, dass in beiden Fällen links der Eingang, rechts der Ausgang ist. Sowohl bei der Summation wie bei der Verzweigung ist die Ausgangsspannung um einen Faktor ½ abgeschwächt, die Leistung auf ¼; dem sagt man, dass es eine Dämpfung von 6 dB gibt. Konstante und bekannte Abschwächungen sind für ein Rechensystem kein Problem. Schema oben rechts: Mit einem Voltmeter gemessen, sieht man nicht, dass die beiden Spannungen „verschoben“ sind (über null resp. unter null, wobei null die Mitte des Einganges ist). Das ist der Grund dafür, dass bei Prof. Fischer nie eine Angabe über „Null“, „Erdung“, „Common“ etc. zu finden war. Auch beim Summierer ist der Ausgang asymmetrisch. Wichtig für das Funktionieren des gesamten Rechensystems: Bei der Addition hat der eine Eingang (Klemme 3,4) gar keinen Einfluss auf den anderen Eingang (Klemme 5,6). Zählt man z.B. „3“ plus „15“ zusammen, aber der Wert für „3“ würde leicht wechseln, wenn man statt „15“ z.B. „20“ nimmt, wäre die Addition nicht mehr präzis möglich. Abgesehen von den Entkopplern resp. Summierern, sind die Widerstände der Netzwerke nicht konstant, sondern werden stets der momentanen Lage (Position des Flugzeuges) nachgeführt: Numerische Darstellung der benötigten Winkelfunktionen, gesucht ist z.B. sin 31.4°: Es ist nicht eine besondere Rechentechnik, welche die numerische Bereitstellung der Winkelfunktionen erlaubt, sondern eher eine Speichertechnik: Jedes jemals vorkommende (Teil-)Resultat ist bereits früher ausgerechnet worden und ist mit den passenden Widerständen fest verlötet eingebaut. Sobald die „Rechnung“ abläuft, sind jederzeit die aktuell passenden Widerstände anzuwählen, was mit mechanischen Zahnradgetrieben erfolgt. Zwei Getriebe von dreien, welche beim Stereomaten die eingegebenen Winkel in die Wahl der passenden Widerstände übersetzen. Sichtbar: 13 Kupplungen zu Widerstands-Wählern. Der Stereomat rechnet nicht in „realtime“; acht Winkel aus zwei Stereo-Fotos plus die Messbasis werden nachträglich von Hand eingegeben. Widerstands-Wähler: >> Jetzt geht’s ans Begreifen! Jetzt wird’s zentral! << Man kann sich die Sache wie eine Wheatstonesche Messbrücke vorstellen, die aber nicht auf null abgeglichen wird. Eingang: eine bestimmte Betriebsspannung. Ausgang: jeder beliebige Wert zwischen plus und minus dem Eingangswert. Bei erwünschten 100 möglichen Abstufungen des Resultates sind 100 speziell verstimmte Messbrücken abzuspeichern – oder eine einzige Brücke mit stets wieder anderen Teilwiderständen. Sind deutlich mehr als 100 Abstufungen erwünscht, um die Genauigkeit zu erhöhen, so wird mit Grob-Fein-Kaskaden gearbeitet (siehe p. 14): Pro Grad (Grobstufe) gibt es hineingeschachtelt weitere hundert Feinstufen. 10 a. bis d.: Wheatstonesche Messbrücke, stets leicht umgezeichnet. Symmetrische Messbrücken haben nur zwei unterschiedliche Widerstandswerte: r3 = r2 (b., c.) d.: Zwischen 3 und 4 kommt die nachfolgende Schaltung, mit Innenwiderstand R. Wichtig ist es, dass auch zwischen 1 und 2 das Kreuzglied denselben Widerstand R hat. So lassen sich die Stufen beliebig hintereinanderschalten. d.: Wenn das Verhältnis der Ausgangs- (3,4) zur Eingangsspannung (1,2) gegeben ist als p, die Gesamtwiderstände immer gleich gross sein sollen, das Kreuzglied symmetrisch sein muss, so sind alle Widerstände fest bestimmt: . r1 = R (1-p) / (1+p) und r1 r2 = R 2 e.: Zwei Kreuzglieder hintereinander ergeben als Gesamtübertragungsfaktor die Multiplikation der einzelnen Übertragungsfaktoren. Der Gesamt-Eingangswiderstand ist immer noch R. Aus Ref. 1, p. 2 Multiplikation: Ausgangsspannung eines Vierpoles = Eingangsspannung mal den angewählten Reduktionsfaktor. Multiplikation einer gegebenen Spannung mit drei unterschiedlichen Faktoren = Hintereinanderschaltung dreier verschiedener Vierpole. Hier sind bei jedem einzelnen Faktor auch unterschiedliche Werte des Argumentes möglich (z.B. unterschiedliche Winkel). Division: Multiplikation mit den zuvor ausgerechneten Reziprokwerten. Seite 23: Eine viel komplexere Lösung… Multiplikation oder Divison, bei der das Resultat eine grössere Spannung annimmt als am Eingang: Das geht mit Kreuzgliedern nicht – sie können nur reduzieren, also geringere Spannungen machen. Beim Stereomaten sind an sieben solchen Stellen (Division durch den Sinus eines Winkels) Röhren eingebaut. Beim Verographen war das vermutlich auch nötig, weil der Sinus hyperbolicus (u) grösser werden kann als „eins“ (p. 21). Addition / Aufspaltung: Es sind zwei Additionsschaltungen in Gebrauch, beide historisch belegt - aber wann die eine, wann die andere Schaltung verwendet wird, ist etwas unklar. In umgekehrter Richtung verwendet (Eingang bei der „Summe“), ergibt sich bei beiden Schaltungen eine Aufspaltung des gegebenen Wertes auf zwei unabhängige Zweige. a) Addition mit einfachem Entkoppler (= 6-Pol): Siehe oben, Seite 8 und 9. b) Addition mit vollständigem Entkoppler (= 6-Pol): F. Fischer, in Ref. 1, p. 3: „Um die Addition vollziehen zu können, müssen wir zu komplizierteren Brückenschaltungen übergehen“ – siehe Abb. 6 gleich unten. Unter den folgenden Forderungen sind die 12 einzelnen Widerstände exakt bestimmt, man hat keine Freiheit mehr: 11 - alle drei Kreuzglieder sollen symmetrisch sein, - wenn 2,5 und 3,6 mit R abgeschlossen wird (Eingangswiderstand der folgenden Schaltung), sei an 1,4 auch R zu messen, - dies auch zyklisch vertauscht: … sei an 2,5 auch R zu messen, bzw. …. sei an 3,6 auch R zu messen, - der Spannungsübertragungsfaktor zwischen 1,4 und 2,5 sei p12, - der Spannungsübertragungsfaktor zwischen 1,4 und 3,6 sei p13, - der Spannungsübertragungsfaktor zwischen 2,5 und 3,6 sei null (diese beiden Zweige können einander nicht beeinflussen) Dieser kompliziertere Sechspol wird im Text auch mit dem in mechanischen Rechenanlagen häufig verwendeten Differentialgetriebe verglichen. Es lassen sich damit Additionen, Subtraktionen und Verzweigungen realisieren (letzteres wird in mechan. Rechnern nicht verwendet, man greift per Zahnrad einfach zweimal ab). Vgl. Differential beim Automobil-Antrieb. Im Gegensatz zum mechanischen Getriebe lassen sich hier durch die Wahl der Widerstände bequem unterschiedliche Gewichtungsfaktoren einführen zwischen den Klemmen „Motor“ (1-4) und „Rad 1“ (2-5) resp. „Motor“ und „Rad 2“ (3-6); oder auch im . . Additionsweg, d.h. von rechts nach links: C = p A + q B Begriff „Entkoppler“: Spannung an 2,5 beeinflusst die Spannung an 3,6 nicht. Das ist wichtig, damit die ganzen Rechenschemen funktionieren. Beim Stereomaten wird diese Forderung oft erwähnt! Quelle: Ref. 1, p. 3, 4. Subtraktion: Addition mit vertauschten Kabeln bei einer der Variablen Vermutung, explizit nirgends gefunden: Bei einer 1:1-Addition wird der einfache Entkoppler (siehe Seite 8) verwendet: Bei einer gewichteten Addition braucht es den vollständigen Entkoppler: C=A + B . . C = pA + qB Wenn die Gewichte p und q im Laufe der Rechnung auch noch variabel sein müssen, so müssen alle 12 Widerstände . . laufend angepasst werden (oder man multipliziert zuerst p A und q B je separat, addiert sie dann 1:1, das braucht nur 8 variable Widerstände). Eigene Messungen am einfachen Entkoppler: An einer Versuchsschaltung ist die Aufspaltung eines Signals auf zwei Zweige resp. die Addition zweier Spannungen experimentell ausgemessen worden. Verwendet wurden als Spannungsquellen einzelne, voneinander unabhängige Batterien, sowie ein normales, hochohmiges Voltmeter. Alle drei Widerstände des Entkopplers hatten denselben Wert (Widerstände von Hand ausgelesen), und die simulierten Eingangswiderstände der nachfolgenden Schaltungen hatten nochmals denselben Wert – ebenfalls beim Einspeisen der Spannung (hier wäre als „Ausgangswiderstand“ eher ein Serie-Widerstand einzusetzen, aber das beeinflusst weder das Prinzip, noch das Messresultat). Bezeichnung: Da man nicht mehr von „Eingang“ oder „Ausgang“ reden kann, weil überall beides möglich ist, seien hier die Begriffe „Total“ und „Teil“ verwendet. In der Zeichnung Seite 8, Fig. 1: Klemmen 1, 2 = Totalspannung, Klemmen 3,4 und 5,6 = Teilspannungen. Resultat der Messungen: Der einfache Entkoppler funktioniert ausgezeichnet! Nur eine Spannung U angeschlossen an Total: Teilspannungen an beiden Orten = ½ U Nur eine Spannung U angeschlossen an Teil: Totalspannung = ½ U Teilspannung anderer Abgriff = 0 Zwei Spannungen angeschlossen an beiden Teilen: Totalspannung = ½ (U1 + U2) 12 _______________________________________________________________________________ Funktionsschema des Verographen: Mit dem Wissen um die Additions-Sechspole können wir jetzt nachvollziehen, wie der Verograph die Distanz zum Flugzeug ermittelt. Die Gleichung von Seite 6 ist hier nochmals zu sehen. Die TangensFunktionen der beiden gemessenen Winkel werden voneinander subtrahiert, dann mit cos γ1 multipliziert. Das wird verglichen mit (konstante Spannung) mal b/r1 , indem die Differenz beider Seiten gebildet wird; diese Differenz wird motorisiert oder von Hand durch Ausprobieren der gesuchten Distanz dauernd minimiert, d.h. immer möglichst auf Null gehalten. (Hier ohne die Hyperbelfunktionen) r1 gesuchte Distanz 1 1 = ( γ2 − tg γ1) cos γ1 b Messbasis TV2 ist der entfernte Theodolit, TV1 derjenige nahe beim Hauptgerät RV. Die Wechselspannung 75 Hz bei TV2 wird direkt und gleichzeitig auch mit dem Tangens des Winkels γ2 multipliziert auf das lange Kabel gegeben Das Fernrohr zum Flugzeug verstellt die Widerstände im RNetzwerk tg γ2 laufend durch mechanische Anwahl mit Grob- / Feinbereich, d.h. sehr genau. . . TV1 bildet den Wert („U tg γ2“ minus „U tg γ1“) mal „cos γ1“ und führt diesen Wert ins nahe Hauptgerät, wo er verglichen wird und laufend gleichgesetzt mit „U durch Distanz mal Basis b“. Der laufende Abgleich der Distanz ist hier mit einem Motor realisiert (ev. auch mit grossem Abgleich-Handrad): Messgerät A soll immer null anzeigen. Das ist das „Auflösen“ der trigonometrischen Gleichung durch ein dauerndes Ausprobieren der richtigen Distanz. Doppel-Striche = mechanische Wellen, mit Zahnrad-Verzweigungen. Einfach-Striche = elektrische Variablen (mit je zwei Drähten). E = Zahlwert der Entfernung. Die erhaltene Distanz (horizontale Welle gleich über den Buchstaben RV) wird auf Papier aufgezeichnet und mit dem Wert von vier separaten Telemetern verglichen: die vier Differenzen werden laufend auf Papierstreifen geschrieben. Im Oionoskop wird die Distanz mittels Drehwelle anderweitig verwendet. Bild aus Bundesarchiv, Oionoskop, Nov. 1942, und aus Flieger-Flab-Museum, Verograph, Okt. 1943 Ob die zwei Sechspole zur Aufspaltung eines Signals (in TV2 und in RV) und die zwei Sechspole zur Subtraktion (in TV1 und in RV) nur die vereinfachten oder die vollständigen Entkoppler-Sechspole sind, bleibt vorerst unbekannt. – Das Vorzeichen bei der Tangens-Differenz kann nie kippen; sind beide beobachteten Winkel gleich, ist das Flugzeug unendlich weit weg. 13 Tatsächlich wird nicht mit den normalen Winkelfunktionen der gemessenen Winkel zum Flugzeug gerechnet, wie hier zum leichteren Verständnis im Schema eingezeichnet, sondern mit hyperbolischen Funktionen einer Hilfsvariablen u, die nicht linear ist zum gemessenen Winkel γ (vgl. p. 6, 7). Mehr dazu im Anhang, ab p. 18. Erhöhung der Genauigkeit durch eine Grob-Fein-Kaskade 100 Schritte, um den Winkelbereich von -75° bis zu +75° zu überstreichen, war zu wenig genau, und viel mehr Schritte sind für den Widerstandswähler nicht machbar. Eine Grob-Stufe entspricht ungefähr 1.5°, und diese Stufe wird durch 100 Schritte einer nachfolgenden Fein-Stufe unterteilt, so dass die kleinste Stufe ungefähr 0.015° entspricht, wenn alles linear im Winkel wäre. Schema: Oberhalb / unterhalb der vier Grobstufen-Widerstände (Zeile 1 bis 4) sind Umschalter für die Wahl der Fein-Ringe. Das wird erlauben, dass die Umschaltung zur nächsten Grobstufe exakt gleichzeitig erfolgt mit der Rücksetzung der Feinkette. Links: Mittlere Zeilen 1-4: Vier variable Widerstände 1 bis 4 bilden ein Kreuzglied mit einstellbarer Grob-Spannung, 100 Stufen im ganzen Winkelbereich. Zwei Ausgänge aus der Grob-Stufe: Zusammengeschaltete B-Kontakte. Über / unter den Widerständen, Zeilen 5-8: Keine Widerstände, nur Schleifringe zum abwechselnden Schalten zu den Fein-Ringen hinüber. Gegenwärtig sind die vier unteren der acht Verbindungen zum Feinbereich aktiv. Ein mechanisches Schnapp-Getriebe erzeugt im Grob-Bereich eine zerhackte Bewegung (Stillstand bis die Fein-Stufe einmal herum ist) Rechts: Vier variable Fein-Widerstände, 100 Stufen (also deutlich mehr als gezeichnet). Die cos-Funktion ist um 0° herum viel flacher, um 80° herum viel steiler – was machen wir da mit den feinen Schritten, die im ersten Fall ganz klein, im zweiten Fall viel grösser sein müssten ? Was sind für Widerstandswerte einzulöten, wenn die Feinstufen je nach Ort des Flugzeuges am Himmel ganz andere Werte annehmen müssen ? Es geht gut, dank Additionstheorem! Wir müssten nehmen: cos(g + f), wobei . . Es gilt: cos (g + f) = cos g cos f - sin g sin f g bedeutet: z.B. 14. Grobstufe, f bedeutet: z.B. 42. Feinstufe. Das geht gerade gut: Hintereinander schalten = Produkt. . Die Figur oben ist z.B. die erste Hälfte, cos grob cos fein, dann alles nochmals mit sin, gibt nochmals eine Zeichnung wie oben, gibt zusammen die präzise cos-Funktion. Pro Kreuzglied (grob oder fein) sind es je 400 Widerstände, macht etwa 1000 in der Zeichnung oben (mit etwas Reserve bei der Feinstufe, ausserhalb Bereich, s. unten). Macht ca. 2000 Widerstände für cos (g + f) insgesamt, nach Additionstheorem. Da insgesamt drei Winkelfunktionen zu ermitteln sind (tg, tg, cos) im Gesamt-Funktionsschema, kommen wir in die Region von 6‘000 präzis gefertigten Widerständen für die Winkelfunktionen, plus „1/r“ plus „mal b“, sowie die Aufspalter/Addierer. Die Anzahl der Stufen ist bei den tatsächlich benützten hyperbolischen Funktionen gleich wie hier abgeschätzt. Hyperbolische Additionstheoreme gibt es auch. 14 Zu verstehen bleibt noch die Umschaltung, wenn die Fein-Stufen „voll“ sind und die nächste Grobstufe geschaltet wird. Gleichzeitig mit der Umschaltung der Grobstufe muss im Fein-Bereich wieder der Anfang gefunden werden. Das muss mit dem zweiten Bürstensatz möglich werden. Ganz verstanden ist es nicht. Und wozu sind die Widerstände oder die Ringpositionen, die offensichtlich über die 100 Stufen hinausreichen ? Geschätzte Genauigkeit für die Verographen-Messung Die Genauigkeit der Distanzbestimmung ist sowohl beim optischen Telemeter wie beim Verographen konstant in der reziproken Distanz. F. Fischer schätzt beim Verographen einen typischen Fehler in (1/e) auf etwa 0.2 . 10-6 m-1. Zurückgerechnet ergibt das für den Verographen bei einigen typischen Distanzen zum Flugzeug etwa die folgenden Genauigkeiten der Distanzbestimmung (für Basis 2 km): Distan